Datenweitergabe:
Tinder im Kreuzfeuer

Veröffentlicht: 19. Januar 2020

Norwegische Verbraucherschützer veröffentlichten nun eine Studie, in der sie zehn Android-Apps hinsichtlich ihrer Datenweitergabe untersuchten. Auch Tinder und OkCupid zählten dazu.

Um ihre Studie entsprechend fachlich durchführen zu können, beauftragte der norwegische Verbraucherrat (Forbrukerrådet) die IT-Sicherheitsfirma Mnemonic. 

Europäisches Recht missachtet

Neben den bekannten Dating-Apps Tinder und OkCupid wurden u.a. auch Grindr, Happn und die für das muslimische Dating kreierte App Qibla untersucht. Des Weiteren flossen auch die Perioden-App MyDays, die Kinder-App My Talking Tom 2 sowie die Makeup-App Perfect 365 in die Betrachtung ein.

Erschreckenderweise gaben diese Apps (zusammengezählt) Informationen über die Nutzer an mindestens 135 Drittfirmen weiter.

Oftmals ohne, dass Nutzern dies bewusst war. Damit verstoßen diese Anbieter ganz klar gegen europäische Datenschutzverordnungen.

Kritische Infos bei Dating Apps

Die Apps geben neben der IP-Adresse und GPS-Daten in manchen Fällen auch das Geschlecht des Nutzers sowie das Alter weiter. Alles zu Werbezwecken.

Nun mag der eine oder andere denken: "Ach, das können die Werbefirmen gern wissen.".

Unsere Studie aus 2018: Sicherheitsrisiko deutsche Dating Apps
Von Zugriffsberechtigungen und Datenschutz

Bei Grindr, einer der bekanntesten Dating-App für Homosexuelle, kann dies in einem Land, dass der gleichgeschlechtlichen Liebe nicht so offen gegenüber ist, den Nutzer ins Gefängnis bringen. Oder empfindliche Strafen nach sich ziehen. 

Die Dating-App OkCupid gibt Informationen über Drogenkonsum, sexuelle Neigung sowie politische Ansichten an Firmen weiter. Auch das sind Datenweitergaben, von denen die Nutzer keine Ahnung haben.

Ihre Daten für die Werbung

Die Datenschützer aus Norwegen sind sich einig:


Für Nutzer ist es nicht ersichtlich, an wen ihre Daten weitergegeben werden. Sie können nicht nachvollziehen, wo die Daten für was verwendet werden.

Zwei Firmen, die sich mit Online Marketing beschäftigen, stechen jedoch hervor. So wurden von acht der untersuchten Apps an Googles DoubleClick Daten weitergeleitet, an Facebook sendeten neun. 

Tinder übermittelt an mindestens 45 Unternehmen Daten. Zwar sind das 45 Unternehmen, die ebenso wie Tinder zur Match Group gehören, aber der Nutzer wird dennoch nicht vorher informiert. Und sich dagegen wehren kann er auch nicht.

Statements der Unternehmen

Als börsennotiertes Unternehmen nahm die Match Group sehr zeitnah Stellung zu dieser Studie. So reagierten sie auf eine Anfrage von Reuters mit der Aussage:


Privatsphäre gehört zum Kern unseres Geschäfts.

Das Unternehmen gibt laut eigener Aussage nur solche Daten weiter, die zum Betreiben ihrer Dating-App unabdingbar sind.

Auf eine entsprechende Anfrage von Reuters an Grindr gab es bislang keine Reaktion.

Fazit der Verbraucherschützer

Auch 20 Monate und einige empfindliche Strafen später verwendet bzw. erhebt die Werbebranche systematisch Nutzerdaten.

Nutzern ist es kaum möglich herauszufinden, welche Unternehmen ihre Daten sammeln und gewinnbringend verarbeiten. Zudem ist es Nutzern nicht möglich, den Datenfluss einzuschränken oder zu unterbinden.

Als Fazit der Studie reichten die Norweger formelle Beschwerden u.a. gegen Grindr bei der norwegischen Datenschutzbehörde ein.

Quelle: forbrukerradet.no

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