Technik der Partnervermittlung:
Der Matching-Algorithmus für die Partnersuche

Aktualisiert: 19. April 2018

Während Sie noch mit Ihrem Persönlichkeitsprofil beschäftigt sind, läuft im Hintergrund schon die Partnersuche, sprich: Die Partnervermittlung ermittelt die optimalen Partnervorschläge für Sie.

Was dabei genau passiert, lesen Sie hier.

Diese Seite gehört zu:
"Technik der Web-Partnervermittlung".

In diesem Teil unseres Partnervermittlung-Dossiers geht es um die Technik der Vermittlungsalgorithmen, die das Herzstück der Angebote darstellen.

Der Auswahlprozess im Rahmen der Partnersuche wird im Allgemeinen als "Matching" bezeichnet. Wie so ein Matching-Algorithmus technisch funktioniert, können Sie hier lernen. Was dann wiederum an psychologischen Modellen inhaltlich dahinter steckt, erfahren sie in einem späteren Kapitel.

Um die Komplexität runterzubrechen, haben wir diese Erklärung in 3 Schritte unterteilt.

Partnersuche 1
Matching für Anfänger

Das Matching im Rahmen der Partnersuche beruht in der Basisversion auf dem Grundprinzip der zweiseitigen Bewertung:


A

Entlang Ihrer Wunschvorstellungen wird allen anderen Singles je nach Grad der Übereinstimmung eine gewisse Punktzahl zugewiesen.


B

Dann wird umgekehrt ermittelt, wie gut Sie den Vorstellungen jedes anderen Mitgliedes entsprechen.


A + B

Durch Addition der Punktzahlen ergibt sich aus Ihrer Sicht eine Rangfolge aller Mitglieder. Ab einem gewissen Mindestpunktwert wird bei der Partnersuche von einem geeigneten Partnerkandidaten ausgegangen


 

Matching-Algorithmen zur Online-Partnersuche müssen relativ große Mengen von Daten bewältigen!

Bei z.B. 100.000 Mitgliedern sind - sieht man von Optimierungspotenzialen ab - 100.000 x 99.999 x 2 ≈ 20 Milliarden Einzelbewertungen durchzuführen!

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Partnersuche 2
Matching für Fortgeschrittene

In unserem Falle ist die Sache noch ein wenig komplizierter. In der o.a. Basisversion wird ja bei der Partnersuche noch nicht zwischen "harten Wunschvorstellungen" und "paarpsychologischen Daten" unterschieden. Die Partnervermittlung muss bei der Partnersuche also zweistufig vorgehen:

  • Harte Vorgaben
    Zunächst muss ermittelt werden, wer wessen harten Wunschvorstellungen von einem Partner entspricht. Zu Ihren Vorgaben "30-40 Jahre, Nichtraucher, höchstens 100km entfernt" passen z.B. 10.000 von 1.000.000 Singles. Von diesen 10.000 bleiben dann z.B. 3.000, die umgekehrt jemanden wie Sie akzeptieren würden.
  • Weiche Faktoren
    Danach wird auf Basis der paarpsychologischen Daten ein Übereinstimmungswert ermittelt (Sind beide ähnlich romantisch? Sind beide ähnlich abenteuerlustig? Sind beide ähnlich religiös?).

Sie bekommen im Rahmen der Partnersuche dann die Partnervorschläge mit dem höchsten Übereinstimmungswert vorgeschlagen.

Ausflug für Mitdenker:

Mit Tricksen geht es auch einstufig. Für die harten Wunschvorstellungen geben Sie einfach je 1.000 Punkte und für die paarpsychologischen Kriterien je 5 Punkte. Die Schwelle setzen Sie dann bei:

[Anzahl der harten Wunschvorstellungen] * 1.000 + [paarpsychologische Hürde]

 

Partnersuche 3
Matching für Profis

Soweit alles klar? Gut! Wenn Sie jetzt Ihre eigene Partnervermittlung zur Partnersuche starten wollen, dann seien Sie gewarnt! Denn jetzt wird es erst richtig spannend.

In der Praxis werden Sie nämlich auf eine ganze Reihe von widrigen Umständen bei der automatisierten Partnersuche stossen:

  • Partnersuche-Faktor "Zeit"
    Es ist nicht unbedingt clever, einem neuen Mitglied bei der Partnersuche sofort alle guten Partnervorschläge zu übergeben - und dann nur noch tröpfchenweise alle paar Wochen einen interessanten Neuzugang. Schöner wäre es doch, das ganze kontinuierlicher zu gestalten.
  • Partnersuche-Faktor "Aktualität"
    Welcher Partnervorschlag ist besser? Peter, der 89% Übereinstimmug hat und letztmalig vor 3 Monaten online war, oder Franz mit 74% und dem letzten Login vor 3 Tagen?
  • Partnersuche-Faktor "Aktivität"
    Soll man eher vermittelt werden, wenn man im Zuge der Partnersuche ein Foto hochgeladen hat, "Ich über mich" besonders schön ausfüllt und sich 3x pro Tag einloggt?
  • Partnersuche-Faktor "Unschärfe"
    Was passiert, wenn Peter psychologisch zu 99% übereinstimmen würde, aber leider 101km statt 100km enfernt wohnt? Soll das bei der Partnersuche berücksichtigt werden?
  • Partnersuche-Faktor "Verteilung"
    Was tun, damit Peter nicht aus Versehen 500 und Franz aus Versehen 0 Partnervorschläge bekommt?
  • Partnersuche-Faktor "Gerechtigkeit"
    Jetzt wirds philosophisch: Mann1 und Frau1 erreichen 98%, Mann2 und Frau2 erreichen 2%. Überkreuz wären es je 50%. Ist es nicht insgesamt gerechter, Mann1 und Frau2 zu verbandeln, damit Mann2 und Frau 2 nicht leer ausgehen?
  • Partnersuche-Faktor "Geld"
    Berta hat bisher nur einen Basis-Account und darf nur gucken. Petra ist Premium-Kundin. Da würde man den Männern doch am liebsten viele Bertas vorstellen, damit diese angeflirtet werden und zur Kasse gehen. Übertreiben darf man es nicht, denn sonst sind die Petras und die Männer, die wenig Antworten bekommen, enttäuscht.
  • Partnersuche-Faktor "Geld 2"
    Petras Abo läuft bald aus. Vielleicht kündigt sie. Dafür sollte man sich doch vielleicht noch ein paar Leckerchen aufsparen, die man ihr in der kritischen Phase präsentiert...

Partnersuche 4
OKcupid erklärt im Video ihren Matching-Algorithmus

In diesem tollen englischsprachigen Video erläutert die US-Partneragentur OKcupid, wie genau deren Matching funktioniert. Dann erhalten Sie mal einen Einblick hinter die Kulissen einer solchen Partnersuch-Maschine:

 

Fazit dieser Überlegungen

Sie sehen: In der Praxis der Partnersuche ist "Matching" gar nicht mehr so einfach wie in der Theorie... Und wir sprechen hier ja bisher nur über die Technik, und noch gar nicht über die Paarforschung, die diese Technik mit Leben füllt.

Mit unserer Software im nächsten Teil können Sie nun selbst ein wenig herumprobieren:

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In diesem Teil unseres Partnervermittlung-Dossiers geht es um die Technik der Vermittlungsalgorithmen, die das Herzstück der Angebote darstellen.

Wer hat dieses Dossier zum Thema "Matching bei der Partnersuche" gemacht?

Henning Wiechers beobachtet seit 2003 die Welt der Singlebörsen und gilt in den Medien als führender Fachmann zum Thema.

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