Online-Dating im Auftrag
Ich bagger für meinen Chef!

Veröffentlicht: 21. Juli 2011

Matt Prager hat eine exquisite Marktnische im Online-Dating-Geschäft entdeckt: Er gräbt, baggert und datet Frauen im Auftrag an. Seine Kunden: Gestresste Manager mit knappem Zeitbudget. Der New Yorker ist auf Online-Portalen unterwegs und becirct dort Damen, bis die ein Date gewähren. Zur Sache kommen müssen seine Kunden allerdings alleine.


Flirten als Auftragsarbeit für gestresste Banker


Prager ist Therapeut - und seit zwei Jahren verkuppelt er Männer und Frauen im Internet. Er nimmt suchenden Herren das zeitaufwendige Online-Dating ab. Die treffen die Damen immer erst, wenn Prager sie vorher im Netz becirct hat. Natürlich unter dem Namen seiner Kunden. Es sind meist Investmentbanker und Broker, die ihn beauftragen, ihre Identität anzunehmen und auf Online-Dating-Portalen nach einem Herzblatt zu suchen. Ganz selten bitten ihn auch mal Frauen um Hilfe. "Frauen wollen stärker die Kontrolle behalten und geben die Kontaktaufnahme ungern in meine Hände", sagt er.


Online-Dating, ein mühseliger Job


Oft wird Matt Prager mit Cyrano de Bergerac verglichen, jenem französischen Dichter mit der großen Nase, der seine schöne Cousine Roxane mit Briefen verführte, die er im Namen eines Nebenbuhlers schrieb. Von dem Vergleich hält er nichts. Nicht nur, weil sein Markenzeichen keine dicke Nase, sondern nur ein dickes Lächeln ist: "Ich habe nicht diesen romantischen Ansatz, ich schreibe E-Mails, keine verliebten Briefe wie Cyrano. Für mich ist es ein knallhartes Geschäft, das mir zwar Spaß macht, aber eigentlich der dreckige Job ist, den keiner machen will", sagt er. "Wenn überhaupt, bin ich ein Cyrano 2.0, ein Cyber-Cyrano."


Der Online-Dating-Spezialist weiß, wie's geht

Alles begann auf der Behandlungscouch. Einer seiner Patienten bat: "Finde eine Frau für mich, ich weiß einfach nicht, was ich falsch mache beim Daten." Prompt war die Geschäftsidee geboren. Als Therapeut fällt es ihm leicht, sich in Menschen hineinzuversetzen. Früher hat er außerdem in Hollywood als Drehbuchautor gearbeitet. Prager weiß, wie man Geschichten mit Happy End schreibt.


Flirt-Job von der Therapeuten-Couch

Heute liegt der Therapeut meist selbst auf seiner Couch, macht es sich gemütlich mit seinem Laptop und durchforstet Online-Dating-Seiten. "Meine Kunden sind fast immer Männer, die gestresst sind, die viel um die Ohren haben und von morgens früh bis abends spät nichts anderes als ihre Karriere im Kopf haben. Sie haben keine Zeit und keine Lust, selbst etwas anzuleiern. An ihrem Feierabend wollen sie einfach nur eine Frau, so unkompliziert wie möglich."

 

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Coaching fürs reale Date

Wenn es geklappt hat, inkognito eine Frau zu einem Treffen zu überreden, bereitet Prager seinem Kunden einen "Spickzettel" mit den wichtigsten Fakten vor: "Ich schreibe eine Zusammenfassung über die Frau, alles, was sie mir vorher in E-Mails geschrieben hat." Sozusagen ein Executive Summery - die meisten Manager lesen ja ohnehin nichts anderes.


Komplettbetreuung beim Online-Dating

Wahrscheinlich beauftragen ihn auch meist Manager, weil sie sich seine teuren Liebesdienste leisten können. Prager unterscheidet zwischen Komplettbetreuung - er nennt es "High-End Cyber Cyrano-Service" - und Coaching am Telefon. Eine einfache Beratung gibt es für 200 Dollar pro Stunde. Die Komplettbetreuung, bei der er nach Dates sucht, Profile erstellt und den Kunden länger betreut, kostet circa 2000 Dollar im Monat. Den Managern ist es das offensichtlich wert.


Den "Flow" an Frauen ankurbeln

Peter, seinen richtigen Namen will er nicht nennen, arbeitet bei einem großen New Yorker Finanzunternehmen, Freizeit hat er kaum. "Bis ich Matt kennenlernte, habe ich eigentlich nur Enttäuschungen beim Online-Daten erlebt", erzählt er. "Endlose Mails, kaum Verabredungen. Oder eben Dates mit Frauen, die mir überhaupt nicht gefielen. Ich war einfach nicht in der Lage, mich mit einer begehrenswerten Frau zu verabreden." Peter spricht über sein Privatleben wie über eine Investitionsentscheidung. Matt habe einen unglaublichen "Flow" an Frauen generiert: "Innerhalb von sechs Monaten hatte ich bestimmt über 50 Dates", erzählt Peter. "Matt nimmt mir Arbeit ab, auf die ich keine Lust habe und für die mir die Zeit fehlt. Fünf Minuten vor dem Date lese ich auf meinem Blackberry eine Zusammenfassung mit Foto. Matt schreibt mir sogar Vorschläge, wie ich das Gespräch starten könnte. Damit fühle ich mich sicherer."


Was tun nach dem ersten Date?

Natürlich hat Matt Prager auch eine goldene Regel für hinterher parat: Nach dem ersten Abend rät er, nicht zu lange zu warten. Über seine eigenen Dating-Erfolge spricht Prager übrigens nicht. "Das ist mein Geheimnis", sagt er nur, versteckt sich hinter seiner Pilotensonnenbrille und lächelt mal wieder sein dickes Lächeln.

Quelle: SpiegelOnline / www.spiegel.de

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