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foto interview Mario Reinartz von Rollstuhlfahrer, der Sex genießt

Exklusiv-Interview mit:

Mario Reinartz
Rollstuhlfahrer mit Erfahrungen aus den Bereichen Online-Dating, Sextreffs & Rotlichtmilieu

vom 06. Juli 2017

Weitere Infos rund um Rollstuhlfahrer, der Sex genießt:

Interviews Singlebörse

Alle Interviews mit den Partnerbörsen-Machern


Mario Reinartz ist Spastiker, weshalb er im Rollstuhl sitzt. Hinzu kommt eine Erbkrankheit, wegen der er nicht schwitzen kann, sowie der Vorfall, dass er bei der Geburt Fruchtwasser geschluckt hat und deshalb Einschränkungen bei seiner Feinmotorik hat.

Trotz dieser erschwerten Bedingungen und der Tatsache, dass Mario immer auf Hilfe angewiesen ist, hat er sich auf verschiedenen Kontakt- und Sexdating-Seiten im Internet angemeldet. Wir haben mit ihm über seine Online-Dating-Erfahrungen und das Thema Sex gesprochen.

Ein Rollstuhlfahrer steht bei Frauen nicht ganz oben auf der Hitliste.

Hallo Mario, haben Sie aktuell eine Freundin?

Nein.

Warum nicht?

Das hat mehrere Gründe. Ich suche nicht speziell danach. Ich lass es einfach kommen. Wenn es passiert, dann passiert es und wenn nicht dann nicht.

handicap love online dating mit behinderung interview
Bei Mario Reinartz herrscht beim Online-Dating das Prinzip "What you see is what you get".

Das ist eine sehr lockere Einstellung. Hat diese Haltung etwas mit Ihrer Behinderung zu tun?

Ja, klar. Man ist als Behinderter mit sozialen Kontakten im direkten Umfeld einfach beschränkt. Ich gehe zwar raus ins Kino, zum Eishockey, zu Konzerten, auch zum Essen. Aber als Behinderter hat man nicht so den normalen Kontakt, dass Leute auf einen zukommen und einen ansprechen.

Oder, dass man selber auf die Leute zugehen und sie ansprechen kann. Oft bleibt man in der eigenen Komfortzone. Da dann neue Bekanntschaften zu machen bzw. eine Frau anzusprechen, wo sich dann Weiteres überhaupt einmal ergeben kann, ist doch schon ziemlich schwierig.

Und wenn es dann einmal doch zu einem Kontakt zwischen Ihnen und einer Frau kommt?

Wenn es einen näheren Kontakt gibt, da kommt der ganz normale Alltag. Aber es ist leider so, dass ein Rollstuhlfahrer bei Frauen nicht ganz oben auf der Hitliste steht. Ende, aus, Feierabend. 

Und dann ist es bei der Partnersuche einfach auch so - das kann man wunderbar in der Tierwelt und bei Jugendlichen in der Pubertät sehen - da geht es um Stärke, Aussehen und auch um Geld. Und es geht um die Frage, wie kann mein zukünftiger Partner mich bzw. eine mögliche Familie ernähren, und beschützen? Und da fällt der Behinderte oft durchs Raster. Das ist einfach der Urinstinkt. 

Wieso sollte sich die Einstellung der Gesellschaft gegenüber einem Menschen mit Behinderung auf Partnersuche nicht irgendwann einmal ändern?

Ja nun. Es gab ja auch mal das Model Anna-Nicole Smith, die hat ihren texanischen 90-jährigen Ölmulti geheiratet. Wo man normalerweise ja sagt „wie kommt eine Frau dazu einen 90-jährigen Tattergreis zu heiraten?“. Unter anderem natürlich durch das Geld. Und dadurch war eben der Punkt „Kann er eine Familie ernähren, kann er mich beschützen?“ gegeben. Und da war der Altersunterschied dann auch völlig egal. 

Da sieht man dann einfach, dass der Mensch, trotz seiner Intelligenz, trotz seiner moralischen Bedenken und trotz seiner philosophischen Fähigkeiten einfach immer noch aus seinem Urinstinkt heraus handelt. Und der Urinstinkt heißt: „Kann der Typ mit seiner Keule meine Familie vor dem Säbelzahntiger beschützen oder kann er das nicht?“. Und ein Behinderter, der kann das nicht. Also fällt er raus.

Dating
Nischensinglebörsen wie Flirt-Projekt sind explizit auf die
Partnersuche für Singles mit Behinderung
zugeschnitten. Beim Sex-Dating mit Handicap sieht es mager aus. Hier gibt es keine spezialisierten Anbieter.

Ihre körperlichen Einschränkungen sind ja schon nicht unerheblich, Mario. Was denken Sie, warum eine nicht-körperbehinderte Frau sich auf ein reines Sex-Date mit Ihnen einlassen sollte? Beim Sexdating geht es ja primär um äußerliche und körperlich-sexuelle Anziehung.

Erstens schreiben ja die wenigsten Frauen in ihren Profilen darüber, dass sie nur geilen Sex wollen. Die meisten umschreiben das ja mit „neuen Erfahrungen sammeln, Horizonte erweitern“ usw. Und wieso sollte ich diese Begründungen nicht für mich nutzen? Denn welche Erfahrung wäre für die meisten neuer, als Sex mit einem Behinderten? 

Selbstverständlich ist diese Haltung provokant, aber ich merke oft, dass nach der Kontaktaufnahme ein Denkprozess beim Gegenüber beginnt. Dieser führt zwar nicht zum Sex, ist aber auch ein Erfolg für mich, wenn sich Menschen die Frage stellen: „Sex mit Behinderten, ja oder nein?“ Alleine durch die Fragestellung hole ich das gesamte Thema aus der Tabu-Ecke.

Und Zweitens: Bei ca. 7 Milliarden Menschen auf der Welt, kann ich doch gar nicht ausschließen, dass es nicht doch einige gibt, bei denen ich ankomme. Sei es aus Neugierde, Mitleid oder aus Fetish-Gründen. Aber um das herauszufinden, muss ich erst einmal zeigen, dass ich überhaupt da bin und auf dem weltweiten Markt verfügbar bin. 

Das Thema Neugierde hatte ich schon einige Male, und zwar mit Escorts. Auch da schreibe ich in Erotik- und Sex-Foren mit, und irgendwann hieß es dann auch: „Dich muss ich mal kennenlernen“. Es blieb dann nicht beim Kaffee und das Date musste von mir auch nicht bezahlt werden ;-). Das ist gerade das Verrückte bei mir: Immer dann, wenn ich es schaffe, meine Revolverschnauze einzusetzen, dann habe ich fast immer das Date im Sack.

Haben Sie schon einmal Dating-Apps wie Tinder ausprobiert?

Tinder habe ich nicht ausprobiert, da ich wegen meiner Spastik kein Smartphone bedienen kann.

War Ihre Behinderung ein Grund dafür, Online-Dating auszuprobieren? Oder waren Sie einfach nur neugierig?

Ich bin jemand, der, trotz seiner Behinderung, alles ausprobiert. Ich habe schon Bungee-Jumping gemacht, ich bin auch schon auf Pferden geritten. Ich hab einfach immer ausprobiert, worauf ich Bock hatte. Und wenn ich für mich dann sage „hat nix gegeben“, dann ist es zwar schade, aber ich muss mir keinen Vorwurf machen mit 50 Jahren: „ja, hättest du es damals vielleicht doch mal lieber ausprobiert“. 

Und genauso hab ich auch erst einmal meine Erfahrungen im Rotlichtmilieu gesammelt. und darüber kam ich dann auf Sexdating-Seiten und darüber dann auch auf Online-Dating.

Ich brauche einfach immer das Krasse zuerst.

Sie kommen ziemlich offen und vor allem sehr selbstbewusst rüber. Braucht man ein starkes Selbstbewusstsein, wenn man mit einer Behinderung beim Online-Dating auf den Mainstream-Kontaktbörsen und Sexdating-Seiten mitmischt?

Ich empfinde mich selber als ziemlich normal. Das habe ich fast ausschließlich meiner Kindheit zu verdanken. Als Baujahr 1971 bin ich in einer Zeit groß geworden, als noch niemand von Inklusion sprach. Ich bin mit der Dorfjugend auf dem Bolzplatz groß geworden. Habe Kloppereien mitgemacht, habe in irgendwelchen Dorfbächen gelegen, ect. 

Ich habe mir meinen Platz sprichwörtlich erkämpft. Dadurch weiß ich sehr genau, was es heißt, zu kämpfen. Und ich weiß auch, was es heißt, etwas aufs Maul zu bekommen. Nämlich wieder aufstehen und weitermachen. Und ich habe noch zusätzlich das „Alphatierchen“ in mir.  Schon der Hausmeister im Kindergarten verpasste mir den Spitznamen „Chef“, dann war ich Klassensprecher, Schülersprecher und Teamkapitän vom Hockeyteam. Ich weiß, wo meine Grenzen liegen, ich habe aber auch keine Angst vor neuen Sachen. Das gepaart mit meinem „Kommunikationstalent“ (wenn man es so nennen mag) gibt mir die Möglichkeit eine Art „Kommunikator“ zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten zu machen.


Was war Ihr erstes Erlebnis beim Online-Dating? Auf welcher Seite hatten Sie sich angemeldet?

Die erste Seite war - und da bin ich auch heute noch – die Sex-Dating-Seite Treff6. Da hatte ich gerade das Profil online und noch nicht einmal ein Bild drin, da schwappten schon die ersten Mails rein. Da ging bei mir direkt eine Lampe an, wo ich dachte „Stopp! Da läuft was verkehrt! Hier sind irgendwelche Bots drin oder sonst irgendwas - das kann nicht sein“.

Unsere Testsieger:

1.
First Affair


2.
JOYclub


3.
C-DATE DE

Ok, was kam da so an Nachrichten rein?

Ich bin ein Typ, der versucht abzuschätzen, wie realistisch ist das, was da ankommt. Und ich hatte dann schon anhand der Fragestellung der Mails gesehen, dass die Frauen entweder mein Profil nicht gelesen haben oder, dass es Standardmails waren, die via Copy und Paste verschickt wurden.

Ich bin aber bis heute dabeigeblieben, weil ich mir sage, dass da ja doch mal eine Mail dabei sein könnte, die vom Filter her passt - von meinem persönlichen Kopffilter her - und real sein könnte. Denn, wenn eine Frau schreibt: „Ich bin gerade in deiner Nähe, ich bin gerade in deiner Stadt“ - und du fragst, dann „ja, welche Stadt denn?“ -  und es kommt keine Antwort - da sage ich mir: „kann einfach nicht sein, ist Verarschung“. Wenn dann aber als Antwort käme: „Ich bin gerade in Deiner Stadt und ich bin neugierig darauf einen Rollstuhlfahrer kennenzulernen“, dann sagt mir das schon eher, da könnte ein realer Mensch dahinterstecken. 

Haben Sie über Treff6 tatsächlich einmal eine Frau kennengelernt?

Nein. Ich bin da schon seit drei Jahren angemeldet. Immer, wenn sich näherer Mailkontakt ergeben hat, dann haben wir ein bisschen hin und her geschrieben, und nachdem ich dann auch alle Fragen beantwortet hatte, da war es sehr oft so, dass die Frauen gesagt haben „sei mir nicht böse aber ich glaube, das passt dann doch nicht“. Und mir ist lieber, es klärt sich im Voraus, als dass man dann ein Date ausmacht und wartet in einem Hotelzimmer. Und man sitzt da dann stundenlang und die Frau kommt nicht. 

Deutlich bessere Angebote in der Kategorie von Treff6...
Die 3 Testsieger unter den Amateursex-Communities

Denn man darf dabei nicht vergessen: Als Rollstuhlfahrer, der Hilfe braucht bei allem, ist es ja auch nicht ganz so einfach so ein Date in die Wege zu leiten. Man muss ein behindertengerechtes Hotel finden, man muss einen Begleiter finden, zu dem man Vertrauen hat und mit dem man sowas auch machen kann.

Das geht schließlich nicht, indem man zu Mama und Papa geht und sagt: „Ich geh heute Abend mal ein bisschen im Hotel poppen“. Bei einem Sexdate hängt bei mir als Behindertem ein ganz anderer logistischer Aufwand dran. 


Haben Sie auch einmal andere Online-Dating-Seiten im Sinne von Singlebörsen ausprobiert? Es gibt ja z.B. Handicap-Love.

Handicap Love habe ich mir mal angeguckt, aber angemeldet habe ich mich da nie. Behindertengerechtes Online-Dating, das ist so eine Sache. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Wenn ich sage, dass ich Gleichberechtigung und Inklusion will, also als normaler Mensch behandelt werden will, dann muss ich mich auch dem normalen Markt stellen. Und der normale Markt ist in der normalen Kontaktbörse.

Behinderten-Singlebörsen wie Handicap Love sind für mich immer irgendwelche Wohlfühloasen, so nach dem Motto: „Tun wir dem Jungen auch nicht weh?“ Alles „rosarote Wölkchen und hier ein Nilpferd und da ein kleines Pony“. Aber das ist einfach nicht das reale Leben.

Das reale Leben besteht aus Problemen und wie man diese Probleme löst. Eine dieser Problemlösungen ist diese: Wenn ich eine Frau an meiner Seite möchte oder Sex haben will, dann muss ich zusehen, wo ich mir das in der freien Wildbahn hole. Da sind wir wieder beim Urinstinkt.

Dating
Alternative Singlebörsen wie Gleichklang.de bieten Raum für die Partnersuche unter besonderen Vorzeichen - eine Option auch für Singles mit Behinderung.


Haben Sie sich denn schon einmal bei einer Partnervermittlung angemeldet? Vielleicht Parship? Oder bei einer Kontaktbörse wie LoveScout24?

Ich hatte mich damals mal bei LoveScout24 angemeldet, als es noch FriendScout24 hieß. Da kam leider gar nichts zustande. Was für mich dann auch wieder eine Bestätigung ist, was ich eben ganz am Anfang gesagt hatte: Der Behinderte steht nicht ganz oben auf der Hitliste. 

Das kann man einfach daran sehen, wenn überhaupt keine Resonanz kommt. Ich bin aber auch sehr offen und lade nur Bilder in meinem Profil hoch, wo ich als Rollstuhlfahrer zu erkennen bin. Und wo man auch sieht, dass ich nicht gerade „normal“ aussehe.

Bei mir herrscht das Prinzip: „What you see is what you get“. Gut, und wenn man dann solche Bilder und die entsprechenden Texte online setzt, dann muss man eben damit rechnen, dass die Resonanz auch gleich dementsprechend null ist.


Diese Strategie, gleich von Anfang an alles offenzulegen und im Profilbild erkennen zu lassen, dass die Frauen hier einen Mann mit Behinderung daten - ist das umgekehrt auch die einzige Haltung, mit der man auf den „Normalo“-Kontaktbörsen Erfolg haben kann?

Die Behinderung ist ja Fakt, und lässt sich nicht leugnen. Was würde passieren, wenn ich meinen „Wohnzimmerferrari“ verschweige? Statt einem Date würde es jede Menge Ärger geben. Ich kann nur hoffen, dass jeder ehrlich ist. Das Ganze kann schließlich auch zum Sicherheitsrisiko werden. 

Ich bin z.B. auch noch Allergiker. Was nichts mit der Behinderung zu tun hat. Ich bin allergisch gegen einige Inhaltsstoffe von Make-Up. Also bitte ich die Frauen ihre „Kriegsbemalung“ weg zu lassen, denn ein Asthma-Anfall ist nicht lustig. 

Oder ein Bekannter von mir hat Epilepsie. Was würde also passieren, wenn er diese Tatsache verschweigt und er bekommt während des Dates einen Anfall? Er gefährdet ja damit nicht nur sich selber, sondern auch den Date-Partner, der höchstwahrscheinlich einen ganz schönen Schrecken oder gar einen Schock bekommen würde. 

Dating
Bei den großen Partnervermittlungen braucht man als Singles mit Behinderung schon so ein gesundes Selbstbewusstsein, wie Mario.

Beim Sexdating handelt es sich zwar nur um Kurzzeit-Bekanntschaften, jedoch trage ich auch während dieser Zeit eine Verantwortung für mein Gegenüber. Aus meinen Paysex-Erfahrungen weiß ich: Je besser die Frau auf meine Behinderung vorbereitet ist, umso relaxter geht sie in das Date - und umso besser wird der Sex. Es ist ja auch so, dass ich mit meinem Verhalten als „Test-Krüppel“ darüber entscheide, ob auch andere Behinderte evtl. Erfolgschancen auf ein Date haben.

Das haben Sie vorhin ja bereits anklingen lassen: Sie holen sich Sex also bei Sexarbeiterinnen und sind im Rotlichtmilieu unterwegs?

Genau. Die ganze Palette hoch und runter. Club, Escort, was es eben alles gibt. Das mache ich jetzt seit über 20 Jahren. Schreibe Berichte über meine Erlebnisse im Rotlichtmilieu in Internetforen, schreibe auf Facebook, schreibe meinen eigenen Blog („Rollimans Erfahrungen“). Das gehört zu meinem Leben einfach dazu. 

Und falls ich irgendwann eine Partnerin haben sollte, dann kriegt sie diese Erfahrung dazu. Jeder von uns hat ja ein Leben vorher und nachher. Auch auf der Arbeit weiß jeder, wie ich mir Sex besorge, auch zuhause weiß es jeder. Selbst die Nachbarschaft weiß es. So kommt auch keine blöde Quatscherei auf von wegen „weißte schon, der Typ, der war wieder…“. 

Ich nenne mich ja selbst „Quasimodo on hot wheels.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit Kontakten zu Frauen im Rotlichtmilieu?

Ich kann sagen, dass ich mit Rotlicht und Prostituierten überhaupt kein Problem habe. Das sind Menschen wie ich auch. Prostituierte will keiner so richtig, Behinderte will keiner so richtig und sie gehören halt doch irgendwie in die Gesellschaft. Beide befinden sich auf dem gleichen Abstellgleis. Mit Prostituierten habe ich aber fast nur gute Erfahrungen gemacht, menschlich gesehen. Das Sexuelle mal ganz außen vorgelassen. 

In dem Moment, in dem die Frauen Sie beim Sex nicht mehr nur beschränkt auf das körperliche Handicap, sondern als ganzen Menschen wahrnehmen, wird der Unterschied zwischen behindert und nicht-behindert unwichtig. Wäre das dann auch der entscheidende Punkt, wo Online-Dating für Sie funktioniert, sprich: zum Erfolg führt?

Ich werde immer der Behinderte mit dem merkwürdigen Aussehen (ich nenne mich ja selbst „Quasimodo on hot wheels“) bleiben; aber sobald ich die Chance habe, meinen Kopf einzusetzen, dann kann ich punkten. Ich habe dann schon Erfolg, wenn ich mitspielen darf. Wenn ich dann noch das Tor treffe, dann ist es optimal gelaufen.

Als Behinderter habe ich vielleicht sogar noch den Vorteil, dass ich schneller überzeugen kann, weil mein Gegenüber fast keinerlei Erwartungen an mich hat. Bei mir ist das halbe Glas Wasser eine positive Überraschung, während das halbe Glas Wasser bei einem Nichtbehinderten eher als negativ gesehen wird.

Waren Sie auch einmal bei einer internationalen Singlebörse angemeldet?

Ja, ich bin auch immer noch bei einer internationalen Singlebörse angemeldet. Das ist eine Seite für osteuropäische Frauen. Ukrainerinnen, Russinnen, Weißrussinnen, Tschechinnen. Da hatte ich mich eigentlich nur einmal angemeldet, um zu gucken, ob da überhaupt was geht. 

In den ganzen osteuropäischen Ländern kennt man aus der Historie heraus keine Behinderten. Man sieht sie nicht im offenen Stadtbild. Im Sozialismus wurden die Behinderten immer versteckt. In irgendwelche Heime abgeschoben. 

Aber ich habe im Rotlicht die Erfahrung gemacht, dass es für mich fast keine besseren Frauen als Tschechinnen, Slowakinnen und Russinnen gibt. Warum das jetzt so ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch nur die anfängliche Neugierde. Und dann merken diese Frauen, dass ich gar nicht so übel bin. Und aufgrund dieser positiven Erfahrungen habe ich mich auf dieser Seite für Osteuropäerinnen angemeldet. 

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Haben Sie hier einmal eine Frau kennengelernt?

Nein. Leider habe ich hier die gleichen Erfahrungen wie auf den Sexdating-Seiten gemacht. Es kommen zwar viele Anfragen, aber man merkt, dass die Frauen das Profil gar nicht richtig lesen. Oder, weil das Profil auf Englisch online steht, dass man das den Frauen vielleicht falsch oder nicht eins zu eins übersetzt hat.

Wenn ich nämlich in meinem Profil schreibe, dass ich zwar nichts gegen Kinder habe, aber keine eigenen Kinder möchte, weil ich meine Behinderung weitergeben kann; und eine Frau mir dann aber schreibt, dass sie drei oder vier eigene Kinder haben will und man antwortet: „Ich will aber keine eigenen Kinder“, da merkt man schon, dass das Gegenüber da entweder nicht so ganz Informationen wahrgenommen hat oder einfach falsch übersetzt wurde. 


Vielleicht lag das auch einfach nur an dieser speziellen Seite?

Ich war auch einmal auf einer thailändischen Webseite aus Deutschland angemeldet. Da war es genauso. Da haben die Frauen gesagt, dass sie drei Kinder wollen und man hat gemerkt, dass die Person, die übersetzte, was falsch verstanden hat. 

Klar, wenn ich erst von Deutsch auf Englisch übersetze - und mein Englisch ist nicht perfekt - und dann wird es von meinem nicht-perfekten Englisch ins nicht perfekte Russisch, Slowakisch oder Thailändisch übersetzt, dann schleichen sich einfach zu viele Fehler ein.


Als wie behindertengerecht empfinden Sie die Sexdating-Seiten und Partnerbörsen auf denen Sie unterwegs sind?

Also, wenn man bedenkt, dass es mittlerweile ja viele Einstellungen bezüglich Barrierefreiheit usw. gibt, dann muss ich sagen, dass viele Singlebörsen - außer der Standardeinstellung für größere Schrift oder leichteres Scrollen - da eigentlich ziemlich wenig bis gar keinen Wert drauf legen. Ich habe noch nie eine Seite gesehen, wo drinsteht, es gäbe einen Behindertenmodus oder Vorleseservice für Sehbehinderte, Senioren oder wo man angeben könnte, dass man Gebärdensprache kann.

Handicap-Love hatten Sie sich bezüglich der Behindertentauglichkeit auch einmal angesehen?

Ja, Handicap-Love hatte ich mir auch einmal angeguckt, aber mich nicht angemeldet. Da ist nur die Schriftgröße verstellbar. Sonst fällt einem da aber auch recht wenig auf. Jetzt muss ich aber auch dazu sagen, dass ich selbst nicht speziell danach suche. Weil ich ja bereits sagte, dass ich ein Typ bin, der eher den normalen Kontakt haben will. 

Was mir allerdings sehr auffällt ist, dass nirgendwo, auf keiner von den Sexseiten ein Punkt ist, wo man schon bei der Anmeldung gefragt wird, ob man eine Behinderung hat. Dass man da schon bei diesen Sexseiten sofort klarmachen kann: „Ich sitze im Rollstuhl“ oder „ich habe das und das Handicap“.

Man wird bei diesen Sexseiten auch nur nach Vorlieben gefragt. Aber nie nach Abneigungen. Und das ist eine große Schwäche im System. So sucht man sich ja eventuell auch einen Partner aus. Und man sucht sich den Partner ja nicht nur danach aus, was er mag, sondern auch, was er nicht mag. 


Grundsätzlich punktet man beim Online-Dating eher mit positiver Haltung. Für die, die es mögen, gibt es ja die "Hass-App". Da kann man angeben was man hasst. Wenn das System jemanden findet, der das Gleiche hasst, hat man ein Match. Was halten Sie davon?

So eine "Hass-App" ist zu einseitig. Denn, wenn ich jemanden treffe - dann ja komplett. Also positiv und negativ. Wenn mir die Frau vom Gesicht her gefällt und sie hat aber keine Oberweite - ja, da muss ich mich halt fragen, was mir wichtiger ist. 

Und wenn ich dann zu dem Schluss komme, dass mir das nette Gesicht wichtiger ist, dann muss ich die fehlende Oberweite halt mitnehmen. Nur das Eine oder nur das Andere - das gibt es nicht. Und das stört mich unheimlich. Aber das ist einfach das Problem bei allen, egal ob Treff6 oder LoveScout24 – oder bei dieser Hass-App.


Trotz Behinderung bevorzugen Sie also die verschärften Bedingungen auf einer normalen Datingportal für Sexkontakte als den geschützten Raum, den Ihnen ein Kontaktportal für Partnersuchende mit Handicap bieten. Können Sie sich denn eine Sexpartnerin oder Lebenspartnerin mit Behinderung vorstellen?

Man sollte nie etwas ausschließen. 

Wie lautet Ihr persönliches Fazit zu Online-Dating?

Online-Dating kann für Behinderte schon von Vorteil sein. Der Behinderte muss sich nicht in irgendwelche Discos oder durch die Stadt quälen, denn das ist ja auch immer mit Aufwand verbunden: Er braucht Hilfe, er braucht eine Begleitperson; vielleicht braucht er auch noch anderweitige Unterstützung.

Dann wird er hier schief angeguckt oder blöd angemacht - da sinkt die positive Anfangsstimmung direkt. Und dann haben viele schon gar keinen Mut mehr jemanden anzusprechen und zu fragen „könnten wir vielleicht mal einen Kaffee trinken?“. 

Wenn man dann aber selbst beim Online-Dating keine richtige Chance kriegt, weil man nur Mails von Fakes kriegt oder weil einen die realen Frauen einfach nicht anschreiben - wie soll man da überzeugen? 


Wie könnte man dieses Problem lösen?

Ich würde mir einfach etwas mehr Mut wünschen. Von beiden Seiten. Sowohl vom Behinderten, der mehr Mut haben muss, sich zu zeigen; als auch mehr Mut von dem Nichtbehinderten.

Schließlich rede ich ja nicht von Zusammenziehen oder Heirat. Ich rede nur von einem ganz normalen Date.

Sich einfach nur mal in einem Hotel oder Restaurant treffen und sagen: „Ok, ich guck mir den Typen mal in real an“. Und dann kann man ja sehr schnell herausfinden, was das für ein Mensch ist. Oder: „Der sieht zwar merkwürdig aus, aber interessant ist er schon“. Oder die Wellenlänge passt einfach. 


Lieber Mario, herzlichen Dank für dieses Interview und Ihre Offenheit. Wir drücken alle Daumen, dass Ihre Aufrichtigkeit beim Online-Dating in Form von echten und netten Kontakten belohnt wird! 


Wer hat das Interview durchgeführt?

Pamela Moucha arbeitet seit vielen Jahren als Redakteurin und Singlebörsen-Testerin und ist unsere Ansprechpartnerin für die Medien sowie Interviews mit den Machern der Branche.

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