Online-Dating in Frankreich:


Die Männer-Falle

Veröffentlicht: 16. März 2009

Wie steht es im selbsternannten Land der besten Liebemacher der Welt mit der Partnersuche im Internet?
Wir haben ein Fallbeispiel für Sie herausgesucht...

Jerome ist 34 und gut gebaut. Er ist groß, hat gelockte dunkle Haare und ein einnehmendes Lächeln. Trotzdem ist der Büroangestellte schon seit rund vier Jahren Single. "Wenn Du in Frankreich richtig flirten willst, dann musst Du nach Paris oder ins Internet. 

Hier in Bordeaux ist es irgendwie schwierig", erklärt der gebürtige Pariser mit einem charmanten Augenzwinkern. Es klingt ein bisschen wie eine Ausrede. Immerhin hat Bordeaux rund 800.000 Einwohner.

Wie viele Franzosen steckt Jerome in der berühmten Flirtfalle. Mal soeben jemanden auf der Straße oder in einer Disko kennenlernen klappt nicht oft. Mal fehlt der Mut, mal etwas Glück und mal passt es einfach nicht. 

"Die Frauen hier sind oft sehr schüchtern. Wenn Du sie anschaust, lächeln sie kurz und schauen dann weg. Ein Gespräch anzufangen ist dann oft zwecklos", berichtet Jerome. "Und eine Frau, die mich anbaggert, möchte ich irgendwie auch nicht."

Singlebörsen gutes Mittel zur Partnersuche

Wie Jerome denken viele der (oft stolzen) französischen Männer. Wenn eine Frau in Frankreich offensiv ist, hat sie schlechte Karten. Die meisten Männer fühlen sich von "Vollblutsweibern nicht angezogen". Andersherum kann das starke Geschlecht mit seinem Humor nicht wirklich bei den Damen punkten. "Spaßkanonen" kommen bei den Französinnen nur selten an.

Und das verwundert nicht wirklich. Denn in Frankreich geht es nur ganz selten um einen netten Flirt aus dem sich etwas entwickeln könnte. In den meisten Fällen geht es darum den goldenen Treffer zu landen und den Partner fürs Leben zu finden. Zwar schließen rund 26 Prozent der Singles eine Heirat kategorisch aus. Über die Hälfte der Partnersuchenden in unserem Nachbarland glaubt aber, dass die nächste Beziehung bis zum Lebensende halten wird.


Hinter jedem neuen Flirt kann sich die große Liebe
verbergen. Deshalb geb ich die Suche nicht auf.

"Das merkt man sogar beim Online-Flirten", erzählt Jerome, Mitglied bei vier Online-Singlebörsen. "Mir fehlt oft ein bisschen das Spielerische, das Leichte. Man muss schon unheimlich viel Zeit online investieren, um überhaupt mal ein Rendezvous zu arrangieren." Passend dazu gelten die Franzosen laut diverser Studien als die "Couch Potatoes" in Europa. Im Vergleich mit den anderen EU-Ländern ist hier der Prozentsatz derer am höchsten, die abends am liebsten zu Hause bleiben und fernsehen.

"Dazu kommt noch eine andere Hürde, die man nicht unterschätzen darf", erklärt Jerome. "Wenn Du hier eine Beziehung finden willst, dann musst Du als Mann immer den ersten Schritt machen. Ob online oder in einer Bar. Das ist hier einfach Tradition. Anders läuft es nicht."

Wer sich von aktiven Frauen ("Vollblutsweibern") grundsätzlich nicht angezogen fühlt, ist auch selbst Schuld - könnte man denken. Aber in Frankreich ist das traditionelle Rollenbild wirklich noch stärker verankert als in anderen EU-Ländern. Ganze 71% der Single-Frauen suchen hier einen "Beschützer". Sogar 95% der Französinnen sagen, dass der Mann den ersten Schritt machen muss. Von den Männern finden das immerhin noch 64%.

Singlebörsen in Frankreich: Klassisches Dating-Verhalten inklusive

Jerome hat vor zwei Monaten online den ersten Schritt gemacht. Auf der Single-Seite meetic.fr (mit rund fünf Millionen nationalen und 40 Millionen internationalen Usern die Nummer 1 in Frankreich) hat er eine Frau kennengelernt. Nach ein paar Wochen Zeit und Geduld steht heute das erste Treffen an. In einem gemütlichen Café mit Blick auf einen kleinen Park. Wie in Deutschland ist auch in Frankreich das Café der beliebteste Ort für ein erstes Treffen.

Sichtlich nervös wartet Jerome am reservierten Tisch des Cafés, in dem es nach Kaffee und Gebäck riecht. Seine Hände sind etwas feucht, verrät er. Sein Blick geht immer wieder vom Fenster zur Tür und zurück. "Ich habe zwar schon ein Foto von ihr gesehen, aber in der Realität sieht jeder ja dann noch mal anders aus", sagt Jerome, als anni_s plötzlich in der Türe steht.

In Wirklichkeit heißt anni_s Anais, ist 29 und hat lange dunkle Haare. Sie wirkt ebenfalls nervös. Über einer engen Jeans trägt sie ein schwarzes Oberteil ohne Ausschnitt. Beide begrüßen sich mit einer schüchternen Umarmung und beginnen eine Unterhaltung. Bei zwei Café au Lait (, die er am Ende bezahlt) plaudern beide über den Job, die privaten Pläne und die jeweilige Vorstellung einer glücklichen Beziehung. Es scheint zu passen.

Online Dating ermöglicht mehr Chanchen auf neue Partnerschaft

"Wir wussten schon vor diesem Treffen einiges übereinander, haben uns ja schon viele Mails geschrieben. Aber die wichtigen Dinge erzählt man sich dann am besten persönlich", sagt mir Anais beim Herausgehen. Sie hat angekündigt, sich bei Jerome zu melden. "Das Internet ist wirklich eine tolle Hilfe", sagt Jerome glücklich. Noch ist er einer von 4,9 Millionen französischen Singles, die regelmäßig Single-Seiten besuchen und damit in 2008 für knapp 100 Millionen Euro Umsatz in dieser Branche sorgten. Bald möchte er das nicht mehr sein. "Hoffentlich wartet heute Abend schon eine Mail auf mich", sagt er mit einem schüchternen Lächeln.

Wir dürfen an dieser Stelle auf unseren Großen Singlebörsen-Vergleich für Frankreich hinweisen ;-)


Wer hat diese Reportage geschrieben?

Henning Wiechers beobachtet seit 2003 die Welt der Singlebörsen und gilt in den Medien als führender Fachmann zum Thema.

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