USA-Megadeal:


Penthouse schluckt AdultFriendFinder für 500 Mio. US$

Veröffentlicht: 29. Dezember 2007

Wir haben hier einige Hintergrundinfos für Sie zusammengefasst.

Dieser bislang größte Deal in der Dating-Welt ging zwar so betitelt durch die Gazetten, genaugenommen erwarb Penthouse aber nicht nur AdultFriendFinder.com, den 1996 gegründeten Weltmarktführer im Adult-Dating, sondern die gesamte Various Inc. Dieses Unternehmen hält hauptsächlich die zahllosen baugleichen FriendFinder-Portale, z.B. Alt.com, AsianFriendFinder, GermanFriendFinder, Amigos.com,... , aber auch Dienste wie z.B. das semipornografischen CAMS.com.

AdultFriendFinder: Zu dick für die Konkurrenz

Schon immer gab es Verkaufsgerüchte um Adultfriendfinder. Die vergingen aber genauso schnell, wie sie gekommen waren.Denn: Für einen Player aus demselben Segment wäre ein Deal mit Adultfriendfinder kaum zu stemmen gewesen. Wie uns der Gründer und CEO von Friendfinder Andrew Conru bei unserem Interview im Silicon-Valley verraten hat, arbeiten mittlerweile über 400 Angestellte in der Zentrale. Und weltweit über 250 Millionen registrierte Mitglieder im FriendFinder-Netzwerk sprechen eine deutliche Sprache... [Nicht zufällig steht Adultfriendfinder deshalb auch bei unserem Test der Portale von Sexkontakten auf Platz 2, nur knapp geschlagen von FirstAffair.]

Der "BigMac-Index" fürs Online-Dating international:

Unser sogenannte AFF-Index (in Anlehnung an den BigMac-Index) gibt Ihnen eine grobe Vorstellung davon, auf welchem Singlebörsen-Entwicklungsstand sich die Länder dieser Welt befinden.

AdultFriendFinder: Zu komisch für klassische Investoren

Auf der anderen Seite mochten sich die konservativen Verlagshäuser, die ja eigentlich gerade auf großer Web2.0-Einkaufstour sind, nicht die Hände mit einem "Porno-Portal" schmutzig machen. Selbst die VCs, die sonst jeden guten Deal wittern, hielten sich von Adultfriendfinder fern. Wäre Adultfriendfinder ein "normales Dating-Portal", so hätten sich mit Sicherheit alle Banken darum gerissen, das Unternehmen bei einem IPO zu begleiten. Und genau so sicher wäre es gewesen, dass dieses IPO erfolgreich gefeiert worden wäre.

"Hätte", "Wenn" und "Aber" - viele klasische Konstellationen kamen aufgrund des schmuddeligen Geschäftsmodells von AdultFriendFinder eben nicht infrage.

Penthouse ist interessiert

Seit dem Herbst 2007 hielt sich in den USA aber besonders hartnäckig das Gerücht, Adultfriendfinder solle in Kürze verkauft werden. Im November berichtete TechCrunch, dass Penthouse die Various-Gruppe für 1 Milliarde US$ übernommen habe. Diese 1 Milliarde US$ entsprechen ungefähr drei geschätzten Jahresumsätzen. (Die AdultFriendFinder-Umsatzschätzung hatte uns Andrew Conru doch tatsächlich in unserem Interview bestätigt!)

Der US-Dating-Expere Mark Brooks (in 2003 und 2004 übrigens Marketing-Manager bei FriendFinder) griff sofort zu seinem Blackberry und befragte Andrew Conru zu den vielen Gerüchten. Conru verneinte den Verkauf, zwischen den Zeilen konnte man aber durchaus lesen, dass bald etwas anstehen würde... Der in den Gerüchten kolportierte Verkaufspreis von 1 Milliarde US$ war allerdings anscheinend deutlich zu hoch gegriffen, denn via Reuters wurde Mitte Dezember der Preis von 500 Mio. US$ bekanntgegeben.

Warum ist AdultFriendFinder so günstig?

Andrew Conru war auch vorher schon Milliardär. Das Aushandeln eines Verkaufspreieses hatte für ihn wohl eher eine sportliche Bedeutung. In zahlreichen Foren wurde die AdultFriendFinder-Summe aber danach heiss diskutiert und für erstaunlich niedrig befunden. Dass der Dating-Markt als gereift gilt und daher nicht dieselben Fantasiepreise für ein Portal wie Adultfriendfinder gezahlt werden wie bei den hippen Communities (die übrigens nicht mal richtig Geld verdienen) ist noch nachvollziehbar. Aber nicht mal ein 2facher Jahresumsatz als Kaufpreis für eine globale Marke? Selbst das deutsche NEU.de erzielte in Relation ein Vielfaches.

Verbote für das AdultFriendFinder-Marketing

Aber vieleicht gibt es für den niedrigen Verkaufserlös eine ganz einfache Erklärung. Denn kaum ist der Adultfriendfinder-Deal über die Bühne, gibt es Trouble.

Die Federal Trade Commission (FTC) erklärte in einem Statement, dass Adultfriendfinder eine rechtlich verbotene Form von PopUp-Anzeigen verwendet, die Besucher auf die Website lotsen soll und denen die Verbraucher ungewollt ausgesetzt sind, einschließlich der Kinder, die sogar sexuelle Bilder angezeigt bekommen, wenn sie auf der Suche nach Begriffen wie "Blumen", "Reisen" und " Ferien. u.v.m sind.

Die FTC behauptete weiter, dass die Anzeigen zum Teil mit Spyware und Adware verseucht waren. Adultfriendfinder wurde von der FTC aufgefordert, die "Porno-PopUps" auf normalen Seiten einzustellen und auch die zahlreichen Affiliates dazu anzuhalten und zu kontrollieren. Ferner wurde Adultfriendfinder bzw. Various aufgefordert ein internet-basiertes Beschwerdesystem zu installieren. Durch diese Vorgaben wird Adultfriendfinder einen deutlichen Traffic-Einbruch hinnehmen müssen, sind sich die US-Dating-Experten einig. Da kaum anzunehmen ist, dass Penthouse über das laufende Verfahren nicht informiert war, dürfte das den niedrigen Kaufpreis erklären.

Penthouse dürfte sich mit dem Deal wieder erheblich besser im Erotik-Business aufgestellt haben. Denn Portale wie Adultfriendfinder bereiteten Penthouse, Playboy & Co in der letzten Zeit erhebliches Kopfzerbrechen, weil diese ihre Marktanteile beim Verkauf von Erotik-DVDs etc. immer mehr ausbauten bzw. alternative Inhalte für Erotik-Konsumenten anbieten. Dazu passt ein alter Unternehmerspruch: "Wenn Du einen Wettbewerber nicht schlagen kannst, dann kauf ihn einfach..."

Wer noch mehr über den Werdegang von AdultFriendFinder wissen möchte, dem empfehlen wir unbedingt den informativen und ebenso humorvoll geschriebenen Artikel "The accidental friend finder" auf CNNMoney.com zu lesen.

Die besten Singlebörsen der USA...

Wir dürfen an dieser Stelle auf unseren Großen Singlebörsen-Vergleich für die USA hinweisen ;-)


Wer hat diese Reportage geschrieben?

Henning Wiechers beobachtet seit 2003 die Welt der Singlebörsen und gilt in den Medien als führender Fachmann zum Thema.

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