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1. Einflussfaktoren auf das Online-Dating in Russland
Von dem
Online-Dating-Ideal eines großen reichen Landes mit vielen
kaufkräftigen und Internet-begeisterten Singles ohne
moralisch-religiöse Hemmungen ist Russland ziemlich weit
entfernt:
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Bevölkerung
Mit einer russischsprachigen Singlebörse richtet man sich
an eine große Basis-Zielgruppe von rund 145 Mio.
Muttersprachlern, primär aus Russland (ca. 120 Mio.) und
den ehemaligen sowjetischen Republiken. Aufgrund der sehr
niedrigen Geburtenrate (mit 1,25 noch niedriger als in
Deutschland) schrumpft Russland jährlich allerdings um rund
600.000 Einwohner.
Ein Blick auf den Durchschnittslohn (400 US$) weist Russland
als äußerst armes Land aus - das gilt vor allem für den
"Rest" außerhalb der 11-Millionen-Metropole
Moskau. Dort ist mit mehr als 80.000 Millionären und einer
immer breiter werdenden Mittelschicht der Großteil der
Profiteure des postkommunistischen Kapitalismus versammelt.
-
Wirtschaft und
Politik
Russland lebt von seinen Rohstoffen. Produktion,
Dienstleistung oder gar Informationsverarbeitung haben -
anders als in China oder Indien - eine untergeordnete
Bedeutung. Offiziell nennt sich Russland zwar
"demokratisch", West-Unternehmen bemängeln jedoch
häufig undurchsichtige Seilschaften aus kommunistischen
Tagen, bürokratische Hürden und mangelnde Rechtssicherheit
als Hemmschuh für ausgeprägte Engagements.
Online-Shopping wird - außerhalb von
"Lastschrift-Deutschland" - normalerweise per
Kreditkarte abgewickelt. American Express, VISA, Mastercard
& Co. haben bisher rund 4 Mio. in Russland verteilt - in
Deutschland über 18 Mio...
-
Religion, Kultur,
Single-Dasein
Die Single-Quote liegt ungefähr auf "Westniveau".
Aus kultureller oder religiöser Sicht, spricht anders
als z.B. in Japan, nichts gegen einen
Online-Dating-Erfolg.
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Technik
Größtes Problem bei der Entwicklung des Online Dating
Marktes in Russland ist die mangelnde Verbreitung von PCs
und Internetanschlüssen in den Haushalten. Eine
Untersuchung des Instituts für strategische Forschungen und
Wissenswirtschaft an der Hochschule für Ökonomie in Moskau
ergab, dass 2006 nur 13% der Bevölkerung als mehr oder
weniger aktive Internetnutzer bezeichnet werden können
(D.h. sie nutzen mindestens einmal im Monat das
Internet).
Einen eigenen Computer im Haushalt hatten 2006 lediglich
21%. Damit bleibt Russland weit hinter den EU-Staaten
zurück, wo durchschnittlich 62% der Haushalte einen
Computer zur Verfügung haben. Die Alternative
"Internetcafe" ist fast ausschließich in
Großstädten verfügbar. Für eine Stunde zahlt man ca. 60
Rubel (ca 2,- Euro) - gemessen am Monatsgehalt
unerschwinglich teuer.
Selbst an den Unis ist die Lage katastrophal, so Soziologiin
Dr Teubener von der Stiftung Digitale Chancen: "In den
Provinzstädten muss der Zugang hart erkämpft werden. Die
Studierenden in Moskau konnten ohne größere Probleme
unseren Sitzungen folgen. Die Studierenden in Kursk und
Rjasan dagegen hatten nur selten die Möglichkeit, ins
Internet zu gehen und dann häufig nicht die nötigen
Kapazitäten."
Alles in allem beläuft
sich die Zahl der "russischen Singles mit regelmäßigem
Internet-Zugang", sprich die Zielgruppe für das
Online-Dating in Russland - momentan auf kaum 10 Millionen. Und
ein Großteil davon ist nicht besonders kaufkräftig bzw. hat
keine Kreditkarte. Nicht gerade einladende Voraussetzungen für
eine florierende Online-Dating-Landschaft. Und daran wird sich
in den nächsten Jahren kaum etwas ändern.
2. Bedeutende Singlebörsen und der russische
Online-Dating-Markt
Das ungewöhnliche am
Russischen Online-Dating-Markt ist, dasss sich die
internationalen Player bisher völlig herausgehalten haben -
kein Wunder bei den Voraussetzungen! Hinzu gesellt sich die
Angst vor den "Ost-West-Bräute-Spammern" (siehe Box
"Wo bleiben die globalen Player?").
| Exkurs:
Wo bleiben die golbalen Player?
Die weltweit
bedeutenden Online-Dating-Konzerne haben bisher
allesamt einen großen Bogen um Russland
gemacht:
- Match.com
ist in über 20 Sprachen übersetzt - eine
russische Version jedoch Fehlanzeige. Dito gilt
für das Spark Networks.
- Die
FriendFinder-Gruppe ist mit über 20 themen- und
länderspezifischen Dating-Portalen breit
aufgestellt, ein RussianFriendFinder fehlt aber.
- Europa-Marktführer
Meetic kauft in vielen Ländern dazu, nicht aber
in Osteuropa.
- Auch die
deutschen Unternehmen mit großem
Internationalisierungsdrang, wie etwa NEU.de
(immerhin schon auf polnisch), FriendScout24
oder Parship, sind am russischen Online-Dating
nicht interessiert.
Als
Begründung wird neben dem noch geringen Potenzial
des Landes die Angst genannt, den osteuropäischen
Spammern, die mit täglich Tausenden von gefaketen
Frauen-Profilen in der Online-Dating-Welt für ihre
zweifelhaften Dienste werben, Tür und Tor zu
öffnen. Zum Beispiel
Parship kann sich ein Engagement in Russland nur
vorstellen, wenn die lokalen Mitglieder in einer
separaten Datenbank gehalten werden.
Einzige
Ausnahme unter den bekannten Unternehmen: Die
deutsche Partnervermittlung be2 betreibt seit Juni
2007 be2.ru - wir sind gespannt! |
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Die einheimischen Player
können sich so in aller Ruhe entwickeln. Neben einigen
kleineren Dating- und Chat-Seiten sind dabei die beiden
eindeutig dominierenden Marktführer "Mamba" und
"Damochka" besonders herauszuheben:
Mamba.ru
Wenn Sie Russisch sprechen und per Online-Dating einen Partner
suchen, sollten Sie unbedingt bei der Nummer 1
"Mamba.ru" vorbeischauen. Dabei handelt es sich um ein
klassisches Kontaktanzeigen-Portal, das im April 2002 gegründet
wurde und seitdem 8,9 Mio. Singles eingesammelt hat.
"Aktiv" sind davon rund 3,5 Mio., von denen wiederum
40.000 an einem ganz normalen Vormittag online sind. Mamba.ru
ist kostenlos und auch weitgehend werbefrei.
Damochka.ru
Das im Oktober 2001 gelaunchte Portal "Damochka.ru"
verfügt über ca. 1 Mio. aktive Mitglieder und über 2 Mio.
registrierte. Damochka.ru bietet zwar vordergründig die
gezielte Partnersuche, ist aber gleichzeitig auch zu soetwas wie
dem "russischen MySpace" geworden ist: Der Nutzer kann
bloggen, Videos hochladen, sich vernetzen und eben zwischen den
Optionen "Freundschaft", "Liebe" oder
"Sex" wählen. Auch dieses Portal ist kostenlos.
Der rein russische
Online-Dating-Markt ist also schnell quantifiziert:
4 bis 5 Millionen aktive Nutzer und ein Branchenumsatz, der
unterhalb von 1 Mio. Euro liegt (Zum Vergleich Deutschland: 2007
erstmalig über 100 Million Euro...). Dabei haben wir das
Geschäft "West-Mann sucht Russin" wie gesagt noch
nicht nicht berücksichtigt.
3.
Nachfrager-Situation
Die von uns geschätze
Zahl der russischen Online-Dating-Nutzer deckt sich ganz gut mit
dem, was aktuell vom Marktforschungsinstitut
"comScore" ermittlet wurde: "Von den 26 Mio.
russischen Internet-Surfern nutzen 32 Prozent schon heute
Online-Dating-Plattformen."
Schaut man sich die
Struktur der Nutzer an, fallen drei große Besonderheiten ins
Auge:
- Russische
Online-Dater sind sehr jung
In der folgenden Abbildung vergleichen wir die
Altersverteilung der "Mamba.ru"-Mitglieder mit dem
deutschen Markt:

Das Durchschnittsalter der deutschen Online-Dater liegt bei
über 36 Jahren, das der russischen bei 25,3.
- Moskau dominiert
Obwohl in Moskau nur 7,7% aller Russen leben, stellen die
Moskauer mit 54,3% über die Hälfte der russischen
Mitglieder bei "Mamba.ru" und
"Damochka.ru". Toll für Moskauer Singles,
schlecht für die anderen...
- Wichtiges Tool für
Exil-Russen
31% der "Mamba-ru"-User leben nicht in Russland,
und davon wiederum über 75% nicht in russischsprachigen
Ländern, sondern über den gesamten Globus verteilt. So
handelt es sich bei rund 80.000
"Mamba.ru"-Mitgliedern um Russen, die in
Deutschland wohnen. Damit bekommt das Portal eine wichtige
soziale Funktion für die über 25 Millionen Russen, die
laut dem russischen Außenministerium ihren Wohnsitz ins
Ausland verlegt haben.
4. Russinnen mit
Westdrang
Mit Online-Dating lässt
sich in Russland zur Zeit noch kein Geld verdienen - wohl aber
mit dem Traum "Russin heiratet Mann aus dem Westen".
Und das in hohem Maße schon seit der Öffnung der Grenzen.
Anfang der 90er Jahre
waren es zunächst Agenturen, die vor Ort (vermeintlich)
heiratswillige Damen katalogisierten und schwerpunktmäßig in
den USA und Deutschland, aber auch in Frankreich, Spanien und
Italien anboten. Mit dem Einzug des Internets hat sich die
"Wertschöpfungskette" weiter verprofessionalisiert:
- Scouts suchen vor Ort
interessante Frauen.
- Fotografen und Texter
digitalisieren sie im nächsten Schritt und geben die
Profile an große Datenbank-Betreiber weiter.
- Diese
"Großhändler" bieten Partneragenturen den
notwendigen Input, um z.B. in Deutschland auf Männerfang zu
gehen.
- Die Partnervermittler
haben wiederum Abkommen mit Hotels, Reiseveranstaltern,
Dolmetschern und Blinddate-Betreuern vor Ort...
Insgesamt ergibt sich ein
Milliarden-Markt zwischen ehrlicher Partnervermittlung,
Prostitutionsreisen, windigen Partnervermittlern und abzockenden
Frauen. Insider schätzen, dass etwa 500.000 bis 1 Million Damen
aus dem gesamten osteuropäischen Raum beteiligt sind.
Dieser Markt wird in
zunehmendem Maße über das Internet abgewickelt. Unter den
einschlägigen Webseiten lässt sich aber kaum eine mit mehr als
10.000 gelisteten russischen Frauen ausmachen.
Der Eindruck "Alle
Russinnen wollen nach Westen" täuscht also. Die meisten
russischen Frauenprofile sind bei rein russischen Portalen zu
finden.
Mehr Informationen finden
Sie in den folgenden Artikeln:
» Test:
Osteuropa-Partnervermittlungen
» Wie finde ich
eine russische Frau?
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