Singlebörsen-News vom 04. Oktober 2010:
Wer ist schuld am Seitensprung? Mia Ming verrät es
Mia Ming beschreibt in ihrem Buch «Seitensprünge» die Geschichte von 33 Frauen, die betrogen haben oder selber betrogen wurden. «Seitensprünge markieren die Wendepunkte im eintönigen Liebeseinerlei des Alltags», frohlockt die Autorin, die auf plakative Bettgeschichten spezialisiert ist. In einem ihrer letzten Bücher beklagte sie das mangelnde Niveau in den Betten Westeuropas – ein einziges Desaster, und man fragte sich bei der Lektüre, ob wirklich so viel Stümpertum unterwegs ist, wo doch alle von Sex reden und ihn offenbar auch munter auswärts praktizieren.
Obwohl sich 90 Prozent der Bevölkerung Treue wünschen, wie wir aus Befragungen wissen, geht jeder und jede Zweite zumindest ab und zu fremd, die Rückfallquote ist beträchtlich. Seitensprünge sind absolut salonfähig geworden – so viel unerfüllte Sehnsucht gibt‘*s zu stillen –, und die Ratgeberliteratur springt munter mit. Aber wer ist denn nun schuld, wenn es zu einem Seitensprung kommt?
Über die Hälfte der Fremdgeher, so hat Mia Ming festgestellt, fühlt sich nicht sonderlich schuldig, solange der Betrug nicht auffliegt. Gründe und Rechtfertigungen für eine Affäre gibt’s immer: Desinteresse des Partners, Neugier, Langeweile – und immer wieder Sehnsucht. Nach Anerkennung, nach Begehren, das man zu Hause nicht mehr erfährt und über dessen Abwesenheit man sich nicht austauscht. Viele Fremdgeher suchen die Schuld für den Seitensprung beim anderen.
Caroline, 34, aus München, vergnügt sich lieber mit Sachbearbeiter Jan auf der Kühlerhaube, als dass sie mit ihrem Partner über ihr marodes innerhäusliches Sexleben spricht. Und Coiffeuse Esther macht mit Lehrer Jens Rastplatz-Sex, weil ihr Freund ihre erotischen Wünsche nicht erkennt: «Ich krabbelte auf allen vieren durchs Wohnzimmer, doch er wollte mir nur suchen helfen.» Können oder wollen die Leute vielleicht gar nicht reden? Würden sie reden, hätten sie ja einen Spannungsfaktor weniger im Leben. Wer ist jetzt also schuld am Seitensprung?
Aber vielleicht ist die Frage nach der Schuld am Seitensprung ganz einfach zu erklären und keiner hat Schuld. Denn vielleicht ist die Beziehung von Männern zu Frauen einfach nicht zu retten. Mark van Huisseling mutmasste ebensolches neulich im «Talk Täglich». Der wahre Grund für Konflikte zwischen Mann und Frau sei ein unvereinbarer Zielkonflikt und der heiße: «Mann will Frau, Frau will Kind, Kind will Hamster». Ergo: Es kann nicht gehen. Bleibt die Frage, was will der Hamster? Oder anders formuliert: Wer ist schuld, wenn es zum Seitensprung kommt?
Buchautor Roman Maria Koidl offenbarte seine eigene Lösung des Problems, die da heißt: «Scheisskerle» (so der unfreundliche Name seines soeben erschienenen Buches). Da kommen sie dann alle vor, die fiesen Methoden der Verführer und Fremdgeher, die Ausreden der Noch-nicht-bereit-Experten und Komme-gerade-aus-einer-Beziehung-Männer. Sind also die Männer schuld an der wachsenden Zahl an Seitensprüngen? Nein. Sie sind höchstens unschlüssiger, ihre Frau für eine Geliebte zu verlassen (nur 27 Prozent tun dies; bei den Frauen entscheiden sich 56 Prozent für den neuen Partner).
Am Ende wird die Schuld für einen Seitensprung wohl immer bei beiden zu suchen sein. Beide hätten etwas besser machen müssen, damit es nicht zum Seitensprung gekommen wäre. Stellen Sie sich doch mal selbst auf die Probe und die Frage: Wer wäre schuld an einem Seitensprung in meiner Beziehung? |