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Studie: Liebe - Lügen - Liaison:
Die Lügen beim Seitensprung und in Beziehungen im Geschlechtervergleich

Hamburg, 15. Dezember 2006 – Die im folgenden dargestellte Studie wurde von Ingrid Weichelt-Ueltzhöffer am Insititut für Kommunikations- und Verhaltenskultur in Tübingen durchgeführt: 

Teil 1: Alltagslügen in Beziehungen

Bei diesen Lügen ist zu unterscheiden, ob es sich um "self-oriented" (egoistische) Lügen, um selbst einen Vorteil zu erlangen oder um "other-oriented" (altruistische) Lügen, die dem anderen einen Vorteil bringen, handelt. Lügen sind ein Bestandteil des täglichen Lebens. Die meisten Lügen sind über den Lügner selbst. Aus vielen, in Chaträumen geführten Gesprächen, komme ich zu dem Schluß: Es gibt keine geschlechtlichen Unterschiede in der Lügenhäufigkeit. 

Frauen neigen eher zu Positiv-Vortäusch-Lügen, die meistens mit Gefühlen verbunden sind. Das Lügenverhalten wird durch Modalitäten beeinflusst. Bei face to face Situationen wird weniger gelogen, als zum Beispiel am Telefon ohne direkten Sichtkontakt. 

Die "Lügner", egal ob männlich oder weiblich, würden in den meisten Fällen wieder lügen. Nach eigener Einschätzung haben sich durch Lügen beide Partner besser gefühlt. Viele der Befragten waren sogar der Ansicht, dass ihr fester Partner die Wahrheit gar nicht wissen wollte. 

Ein anderes Ergebnis aus den Chatgesprächen ist, dass mehr Lügen aus psychologischen Gründen als für den persönlichen Vorteil benützt werden. Allerdings gibt es Unterschiede bei der Häufigkeit der Verwendung von Lügen. Je länger und enger sie mit einem Partner zusammen sind, desto kleiner ist die relative Anzahl der Lügen. 

Lügen sind in engen Beziehungen unangenehmer als in lockeren Beziehungen. Bei engen Beziehungen verwenden die Partner eher altruistische Lügen, bei lockeren Beziehungen egoistische Lügen. Das hat damit zu tun, dass ein enger Partner Lügen schneller entlarvt als ein lockerer Partner, der erst kurz bekannt ist. 

Warum ist eine Lüge nicht immer eine Lüge? 
Wann ist die Lüge auch die Wahrheit?

Hollander schreibt dazu: "Ich liebe dich"... "Ich habe dies noch nie mit einer anderen getan" und "Du bist die Beste" gehören zur allgemeinen Kategorie der Schlafzimmerlügen des Typs: Sag ihnen, was sie gerne hören. Diese Lügen erfüllen einen doppelten Zweck. Die eine oder andere hat er benutzt, um sie ins Bett zu bekommen. Weil sie sich so gut bewährt hat, wird er sie weiterhin benutzen".
Der Satz: "Ich liebe Dich" wird sehr oft benützt, um einer Frau das Gefühl von Zugehörigkeit und emotionaler Nähe zu vermitteln. Wie kann sie ihm da noch etwas abschlagen?

Laut Hollander sind für andere Männer jedoch diese drei Worte heilig, sie würden diesbezüglich niemals lügen. Wenn die Worte : "Ich liebe dich" zu Beginn einer Beziehung auch durchaus wahr und ehrlich gemeint sind, kann im Laufe der Zeit von ihrem Wahrheitsgehalt etwas verloren gehen.

Der Satz: "Ich habe dies noch nie mit einer anderen getan" gibt der Frau das Gefühl, mit ihm sexuelle Erlebnisse als Erste zu teilen, verleiht der Beziehung eine gewisse Art von Exklusivität. Dieser Satz kann natürlich absolut ehrlich gemeint sein. Genausogut kann es aber auch eine Lüge sein, um der Frau zu schmeicheln. Einige Frauen schrieben dazu, dass sie im Bett gerne Lügen hören würden, es nehme ihnen die Hemmungen und trage viel zu ihrem Selbstwertgefühl bei, was auch zu besserem Sex führe.

Mit dem Satz: "Du bist die Beste" kann es sich da schon anders verhalten. Er zählt laut Hollander zu den Standardsätzen der meisten Männer in längeren Beziehungen. Obwohl es viele ernst damit meinen, ihn auch nur der festen Partnerin gegenüber verwenden, bedeutet er doch immer einen Vergleich. Von wie vielen Frauen ist sie die Beste? Um diesen Satz ehrlich zu meinen, müsste ein Mann streng genommen seine Frau mit mindestens einer anderen Frau vergleichen, um überhaupt beurteilen zu können.

Von anderen Männern wird dieser Satz dagegen absichtlich als Lüge benützt, damit sich aus dem Gelegenheitssex eine stabilere Beziehung entwickelt. Sie setzen den Satz ein: "um sie an sich zu binden, um zu schmeicheln und um sie für die nächste Runde scharf zu machen". Viele Frauen sind sich wohl gar nicht bewusst, wie zynisch dieser Satz ist, denn im Grunde genommen ist es ein anmaßender Vergleich. 


Lügen beim Seitensprung im Geschlechtervergleich in 5 Gruppen eingeteilt:

1. Die Gruppe der Schmeichler und Heuchler, die schnell ans Ziel kommen wollen:

Alle diese Lügen sind laut Ratgeber-Literatur "männliche Lügen". Diesen Lügnern fällt nur eines ein, nämlich das zu tun, was sie am besten können und was bei Frauen ankommt. Sie sagen den Frauen, was sie gerne hören wollen und sind noch der Meinung, dass sie es ja nur zum Wohle der Frauen tun. Dazu gehören Lügen wie zum Beispiel:

Du hast einen herrlichen Körper.
Diese "männliche Lüge" benützen am häufigsten männliche Akademiker im Alter von 30-40 Jahren, konfessionslos und seit 1-5 Jahren in einer Ehe lebend. Wären da nicht noch die 20-30 jährigen katholischen Frauen, die diese Lüge ähnlich oft benützen, würde die Zuordnung nach Dory Hollander ja stimmen. Da es genauso viele Frauen wie Männer sind, kann wohl festgestellt werden, dass auch Frauen sich mit einschmeichelnden Lügen länger dauerndes Werben um einen neuen Partner ersparen.

Du bist die Frau/der Mann, von dem ich schon immer geträumt habe.
Fast 25% der männlichen, katholischen und verheirateten Teilnehmer bekannten sich zu dieser Lüge. Vom Alter her befinden sie sich zwischen 30-40 Jahren, leben erst 1-5 Jahre in ihrer Ehe und haben entweder Realschul- oder Hochschulabschluss. Sie schmeicheln, weil sie wissen, dass sie so schneller ans Ziel kommen. Da sie noch nicht lange in einer Ehe leben, sehen sich manche sogar als gar nicht gebunden an und gönnen sich eine kleine Nebenbeziehung.
Sie stellen sich als weitgereiste und vielbeschäftigte Person dar.

Diese "männliche Lüge" wird vor allem von verheirateten Hochschulabsolventen im Alter von 30-40 Jahren benützt. Aufgrund ihres Alters wird sie von den Frauen auch ernst genommen. Über Sprachbegabung verfügen sie und so ist es für sie ein Leichtes, Reisen ihres Chefs als Eigene zu schildern und damit Eindruck bei den Frauen zu machen. 

Bei meinen Ergebnissen stellte sich allerdings heraus, dass sich die gleiche Anzahl junger Akademikerinnen ebenfalls dieser Lügen bedient. Es dürften wohl die gleichen Motive wie bei den Männern sein.

Ich habe für meine Prüfungen nie gelernt
Mit dieser "männlichen Lüge" will sich der noch nicht lange in einer Beziehung lebende, konfessionslose Akademiker von den Konkurrenten abheben. Doch mit dieser Lüge werben auch die 20-30jährigen, in der Mehrzahl katholische Frauen, für sich. Wie weit allerdings intelligente Frauen den Männern angenehm sind, bleibt dahingestellt.

Das Kind in mir ist noch lebendig.
Noch eine "männliche Lüge", die besonders häufig von den 30-40 jährigen katholischen, verheirateten Akademikern benützt wird. Das Image des frechen Lausbubs vermittelt eine Lebendigkeit und Unbekümmertheit, die es Frauen schwer machen soll, ihm zu widerstehen. Deshalb verwendet er diese Lüge vielleicht nicht immer nur als Lüge. Eine neue Liebe verleiht doch so manchem spießigen Familienvater neue Flügel und sprühende Einfälle, um seine "Neue" zu beeindrucken. Auch verheiratete, katholische Frauen verwenden diese Lüge, da sie aber noch jünger sind, könnte es ihnen leichter fallen, als "Kind" zu überzeugen. Sie wecken damit eventuell einen "Beschützerinstinkt" beim Mann.

2. Die Gruppe der Lügner, die Bindungswilligkeit vortäuschen:

Laut Literatur sind dies "männliche Lügen". Mit diesen Lügen soll eine Verfügbarkeit signalisiert werden, um den neuen Partner an sich zu binden.

Ich bin Single.
Junge, konfessionslose, männliche Akademiker benützen diese Lüge, um eine zweite Beziehung neben der Hauptbeziehung zu führen. Da sie noch nicht lange in einer Beziehung leben, fühlen sie sich auch noch nicht so richtig "gebunden". Dem neuen möglichen Partner die Wahrheit von ihrer Beziehung zu erzählen, hieße für sie, alle Chancen zu verlieren. Diese "Single-Lüge" wird aber auch von katholischen jungen Akademikerinnen benützt, deren feste Beziehung noch nicht lange besteht. Obwohl es möglich wäre, sich zu trennen, bevorzugen sie es, zwei Beziehungen nebenher am Laufen zu halten. Für alle Fälle wird der feste Partner "warmgehalten", denn, falls es beim hofierten neuen Partner nicht klappt, bleibt die Rückzugsmöglichkeit zum festen Partner.

Ich habe diese Bettgeschichten für eine Nacht satt.
Es sind die jungen, evangelischen Akademiker, die noch nicht lange in einer Beziehung leben und diese Lüge benützen. Sie sind der Meinung, es auch mit zwei Beziehungen gleichzeitig zu schaffen. Der Reiz an einem Abenteuer lässt für sie jede Lüge zu. Ihnen gegenüber stehen junge, katholische Frauen, die es mit der gleichen Lüge versuchen und den Männern damit nicht nachstehen.

Mit meiner Frau/ meinem Mann läuft schon lange nichts mehr.
Männer im Alter von 30-40 Jahren benützen diese Lüge, um ihre Ehe auf diesem Gebiet als nicht mehr existent darzustellen. Damit wird der zukünftigen Geliebten signalisiert, dass die Ehe nicht mehr lange bestehen wird. Im Unterschied zu denFrauen, die diese Lüge auch benützen, sind sie aber schon wesentlich länger in einer Ehe, meistens 11-15 Jahre. Gemeinsam ist ihnen, dass die meisten konfessionslos sind.

3. Die Gruppe der Lügner, die rücksichtslos auf den eigenen Vorteil bedacht ist:

Diese Gruppe benützt Lügen, um sich schnell Vorteile zu verschaffen. In wie weit sie damit ihren Partner gefährden oder hinhalten, spielt für sie keine Rolle. Wären sie ehrlich, müssten sie damit rechnen, dass es zu keiner neuen Beziehung kommt. 

Ich mache Dir nichts vor.
Diese "männliche" Ausrede wird von fast gleichvielen Männern wie Frauen verwendet. Einmal sind es die verheirateten Akademiker, die in einer bis 1-10 Jahre andauernden Ehe leben und zum anderen Frauen, die noch nicht lange in einer Beziehung leben. Diese Lüge, die eigentlich Ehrlichkeit vermitteln sollte, täuscht beim neuen Partner den Eindruck vor, nicht angelogen zu werden. Ob das immer eine Lüge ist oder auch ehrlich gemeint ist, war nicht herauszufinden. Hollander schreibt dazu, dass manche Männer diesen Satz nicht als Lüge benützen, weil sie schon den festen Partner belügen und in einer Nebenbeziehung wenigstens ehrlich sein wollen.

Du bist meine allererste Affäre.
Laut Literatur wird diese "Lüge" von beiden Geschlechtern benützt. Was damit bezweckt wird, ist allerdings unterschiedlich. Benützen sie, wie bei meinen Erhebungen, männliche, evangelische Akademiker im Alter von 20-50 Jahren, wird ihnen von Hollander unterstellt, dass es ihnen egal ist, eine Frau mit einer Geschlechtskrankheit/Aidsvirus anzustecken. Durch diese Lüge wird der Frau glaubhaft gemacht, dass er bisher nicht mit vielen anderen Frauen Sexualkontakte unterhielt und keine Gefährdung in dieser Richtung für sie bestehe. Frauen hingegen benützen diese Lüge um nicht als "Flittchen" angesehen zu werden, das sich häufig anderen Männern hingibt.

Der richtige Zeitpunkt für ein klärendes Gespräch mit meiner Frau/ Mann war noch nicht da.
Diese "männliche Lüge" verwenden von den Teilnehmern vorwiegend 20-30jährige evangelische Akademiker, die erst seit 1-5 Jahren in einer Ehe leben. Damit halten sie den Zweitpartner oft über Jahre hin, versprechen immer wieder die Trennung vom festen Partner und dann das Zusammenleben mit Ihr. Laut Ratgeber-Literatur sind es Männer, die diese Lüge benützen. 

Doch bei mir zeigt sich ein anderes Bild. Junge, konfessionslose Frauen, die erst seit 1-5 Jahren in einer Beziehung leben, verwenden diese "Hinhaltelüge" genauso wie Männer. Dabei könnte allerdings noch ein anderer Grund mitspielen. Frauen suchen sich einen Mann, der ihnen bei der Aufzucht der Nachkommenschaft zur Seite steht, mit dem sie in fester Partnerschaft leben. Dieser ist allerdings nicht immer der ideale Erzeuger in ihren Augen. In einer Art "Genshopping" suchen sie sich den besten Mann für diese Aufgabe aus, haben aber niemals vor, diesen auch an der Aufzucht zu beteiligen.

4. Die Gruppe der Lügner, die andere durch Lügen schützen wollen:

Diese Lügen werden laut Hollander hauptsächlich von Frauen benützt. Sie wollen den anderen schützen, nehmen deswegen oft die Schuld am Mißlingen einer Beziehung auf sich und sind immer bemüht, es nicht zum Streit kommen zu lassen. Eine einzigeAusnahme, die "Ich ruf-dich-an Lüge" als "männliche Lüge", war bei meinem Fragebogen mit dabei. 

Ich rufe Dich an.
Das ist die laut Pressemeldungen und allen benützten Ratgebern die typische Männerlüge schlechthin! Dory Hollander bemerkt dazu, dass Männer sie nur für eine Floskel halten, die man nicht einzuhalten braucht. Frauen dagegen nannten sie die häufigste und unangenehmste Lüge der Männer. Diese Lüge wird von Männern vorwiegend dann benützt, wenn sie an einem weiteren Treffen nicht interessiert sind. Um dem anderen nicht sagen zu müssen, dass der Sex mit ihm/ihr nicht der Hit war, ziehen sie sich mit dieser Lüge aus der Affäre. Während Frauen diesen Männern glauben und auf den versprochenen Anruf warten, kümmert es die Männer nicht weiter, der "Fall" ist für sie erledigt. 

Das "Schwäbische Tagblatt" schrieb dazu: "Wenn Männer nach einem Date sagen: "Ich ruf dich an" heißt das nichts anderes als: "Tschüß, das war es!" und verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Bei meinen Erhebungen bekannten sich vor allem 20-40 jährige verheiratete, katholische oder konfessionslose Akademiker zu dieser Ausrede. Überraschend war, dass auch überwiegend katholische Frauen im Alter von 20-40 Jahren sich dieser Lüge bedienen. Gleich den Männern leben sie auch erst 1-5 Jahre in einer Beziehung und verwenden diese Lüge beim Abschied von einem nicht überzeugenden möglichen neuen Partner. Teilnehmerinnen schrieben mir dazu, dass es keinen einfacheren Abgang nach einem "Flop/ Reinfall/ Versager" gab. Diese Lüge verhindert endlose und unangenehme Diskussionen und eventuell weitere Lügen.

Ich habe den Sex genossen.
Diese "weibliche Lüge" erspart es Frauen, dem Mann zu sagen, dass der Sex mit ihm nichts Besonderes war. Laut Ratgeber-Literatur bedienen sich ein Drittel aller Frauen dieser Lüge. Da sie dem anderen eine Kränkung erspart, wird sie als schützende Lüge angesehen. Diese Lügen werden bevorzugt von Frauen verwendet. Erstaunlicherweise verwenden sie gerade junge konfessionslose, verheiratete Frauen, die noch nicht lange in einer Ehe leben. Bei älteren Frauen hätte ich dieses Verhalten eher vermutet. Sie wird als weibliche Lüge gehandelt, meinen eigenen Erhebungen brachten ganz andere Ergebnisse hervor. Auch junge, konfessionslose, verheiratete Akademiker verwenden diese Lüge, von der Anzahl her übertreffen sie sogar die Frauen. Übernehmen Männer nun diese Lügen, um Frauen nicht weh zu tun, oder denken sie dabei an sich selbst und werfen sich insgeheim Versagen vor?

Ich mag Dich. Ich möchte Dich nicht verlieren. Lass uns Freunde bleiben.
Laut Lohmann sagt das eine Frau, wenn sie eine Beziehung schmerzfrei beenden will. Frauen im Alter zwischen 20-40 Jahren, katholisch und noch nicht lange verheiratet, benützen am häufigsten diese Lüge. Sie soll den Partner schonen, nicht den endgültigen Bruch mit ihm ankündigen, obwohl es doch genau so gemeint ist. Männer, die dieser Lüge glauben und sich noch weitere Hoffnungen auf ein Fortbestehen der Beziehung machen, werden bald eines Besseren belehrt.

Die Frau denkt ihrerseits nicht daran, noch weiter Zeit und Gefühle in diese Beziehung zu investieren. Da Männer nicht gerne "abserviert" werden, wählt sie diesen Weg, um sich und dem anderen unliebsame Szenen zu ersparen. Soweit zu den Frauen, aber auch Männer benützen diese Lüge. Wieder einmal sind es verheiratete Akademiker, evangelisch und zwischen 30-40 Jahren, die diese Lüge ebenfalls besonders häufig benützen. Es liegt scheinbar auch in ihrem Bestreben, eine Affäre schmerzfrei zu beenden. Vielleicht spielt da auch der Hintergedanke eine Rolle, dass eine "Freundin" ihn wohl nicht bei der eigenen Frau verraten würde, wie es schon viele verlassene und enttäuschte Geliebte praktiziert haben. Diese Lüge ist bei Männern und Frauen beliebt.

Auch wenn die Beziehung damit auf jeden Fall beendet wird, klingt es nicht ganz so hart. Hollander schreibt dazu: "Es handelt sich dabei um die klassische Fluchtform am Ende einer Beziehung, wenn einer der Partner sich unbedingt trennen, der andere aber an der Beziehung festhalten will: ein letzter Versuch, in die Freiheit zu schwimmen, ohne das Boot zu kentern".

5. Die Gruppe der Lügner, die sich mit einer Lüge aus einer unangenehmen Situation/ Affäre ziehen wollen:

Wie kannst Du mir so etwas unterstellen?
Laut Hollander eine beliebte Art von Männern, auf eine unangenehme Frage mit einer Gegenfrage zu reagieren, um erst einmal Zeit für eine Antwort zu bekommen. Mit dieser Gegenfrage bekommt der feste Partner den Eindruck vermittelt, dass er mit seiner Unterstellung im Unrecht ist. 

Eine noch dreistere Art ist es, dem Fragenden mit Gegenfragen aus dem Gleichgewicht zu bringen, und sich auch noch als "Opfer" willkürlicher Verleumdung anzusehen. Von weiteren Fragen ist man(n) damit vorerst erlöst. Diese Lüge wird von 30-40 jährigen evangelischen, verheirateten Akademikern benützt, die schon länger in einer Partnerschaft leben und sich wohl überlegt haben, wie sie sich bei einer solchen Frage verhalten. Wie ihre Partnerin sich sein verändertes Verhalten nun erklärt, ist ihnen egal. Hauptsache, sie sind erst mal vor weiteren Fragen sicher und können ihre Zweitbeziehung aufrechterhalten. Was die Männer können, praktizieren die Frauen auf gleiche Weise. Es sind allerdings die 20-30 jährigen verheirateten, katholischen Frauen, die noch nicht lange in einer Beziehung leben und diese Lüge benützen.
Welcher misstrauische Mann wird bei soviel Empörung über seine Verdächtigung noch weiterfragen?

Ich bin zu müde. Der Tag war sehr anstrengend.
Diese Lüge wird als "männliche Lüge" angesehen. Bei meinen Erhebungen sind es die 30-40 Jahre alten verheirateten Männer, die diese Lüge benützen. Wer will einem Mann nach einem harten Arbeitstag absprechen, müde zu sein! Auch bei meinen Interviews bekannten sich viele Männer zu dieser Ausrede, um sexuellen Wünschen ihrer Ehefrau nicht nachkommen zu müssen. Frauen benützen sie, wenn sie keine Lust haben, mit ihrem festen Partner zu schlafen. Einen Liebhaber sich zu leisten, bedeutet nicht nur ein zeitlich durchdachtes Management, sondern auch ein energieraubendes Verhältnis zu unterhalten. Dass bei diesem Aufwand der feste Partner zu kurz kommt, verwundert nicht. Um ihn nicht misstrauisch zu machen, wird von den überwiegend 30-40 jährigen verheirateten Frauen diese "Lüge" verwandt. Dies nachzuprüfen wird kaum möglich sein. Die meisten Frauen sind zwischen 1-5 Jahren in einer Ehe gebunden.

Nur zugeben, was eh schon bekannt ist.
Dies ist laut Literatur eine "männliche Lüge", die wieder einmal von mehr Frauen als Männern bei meiner Umfrage gewählt wurde. Hier handelt es sich um die sogenannte "Salamitechnik". So wie bei der Salami Scheibe für Scheibe abgeschnitten wird, gibt der Mann nur zu, was ihm nachgewiesen wird. Bei diesem Verfahren kann es lange dauern, bis der hintergangene Partner die ganze Wahrheit über sein "Verhältnis" erfährt. 

Dazu bekennen sich bei meiner Umfrage 30-40 jährige konfessionslose, verheiratete Akademiker, die erst seit 1-5 Jahren in einer Beziehung leben. Bei den Frauen sind es vor allem die 20-30 jährigen katholischen in einer Beziehung lebenden Frauen, die diese Strategie anwenden. Damit hält der "Fremdgeher/die Fremdgeherin" alle Fäden in der Hand, gibt nur zu, was eh bekannt geworden ist und genießt heimlich die Macht, die er durch sein Verschweigen ausüben kann. Für den Betrogenen kann das aber fürchterliche Auswirkungen haben. Er ahnt etwas, traut dann aber seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr, sieht überall Zeichen des Betrugs und hält sich irgendwann noch für verrückt, weil der fremdgehende Partner ihn im Unklaren über sein verändertes Verhalten lässt. 

Nachdem auch in Ratgebern dazu aufgefordert wird, den festen Partner nicht durch ein volles Geständnis über seinen Seitensprung zu belasten, fühlt sich der so Handelnde noch im Recht mit seiner Taktik.

Der Seitensprung hat mit meiner Ehe nichts zu tun.
Diese "weibliche Lüge" verwenden Männer und Frauen am häufigsten beim aufgedeckten Seitensprung. Besonders männliche Akademiker im Alter von 30-40 Jahren, verheiratet und konfessionslos, bedienen sich dieser Lüge. Es ist wohl eine Illusion, sich einzureden, dass es mit der bestehenden festen Beziehung nichts zu tun hat. Allein schon durch die Lügen, die erforderlich sind oder waren um den Seitensprung geheim zu halten, verändert sich das Verhalten zum festen Partner. Manche Teilnehmer/Innen betonten, dass sie ja dem festen Partner nichts wegnehmen würden, so gesehen hätte die Untreue mit ihrer Ehe nichts zu tun. Junge katholische Frauen tendieren ebenfalls zu dieser Sichtweise, sehen ihre feste Beziehung dadurch nicht gefährdet. Bei beiden Geschlechtern wird diese Ansicht in einer noch relativ kurz andauernden Beziehung vertreten.

Kommt in jeder Beziehung mal vor.
Laut Goetsch handelt es sich hier um eine "weibliche Lüge". In ihr wird der Seitensprung als Bagatelle abgetan, die eben hin und wieder vorkommt. Junge konfessionslose Frauen mit kurzer Beziehungsdauer verwenden diese Lüge. Übertroffen werden sie allerdings noch von den 30-40 jährigen Akademikern, ebenfalls konfessionslos aber in einer länger andauernden Ehe. 

Ich liebe meine Frau/meinen Mann. Ich werde Sie/Ihn nicht verlassen.
Diese laut Literatur "männliche Lüge" wurde von einer großen Mehrheit der Teilnehmer beiderlei Geschlechts gewählt. Ob es sich immer um eine Lüge handeln mag, bleibt dahingestellt. Zur Beendigung eines nicht mehr attraktiven Verhältnisses dient diese Lüge auf jeden Fall nach wie vor bestens. Was will der Geliebte/ die Geliebte denn schon dagegensetzen? Und wenn diese Lüge manchmal nur benützt wird, um Gelegenheit zum Aufbau einer neuen Zweitbeziehung zu schaffen. Denn wer will einem schon nachweisen, welche Gefühle der andere seinem festen Partner gegenüber noch empfindet. 

Am häufigsten benützen sie 30-40 jährige männliche, katholische Akademiker, die zwischen 1-5 Jahren in einer Ehe leben. Die Frauen die sie benützen sind mit 20-30 Jahren jünger, leben aber auch zwischen1-5 Jahre in einer Beziehung. Um eine "ausschließlich männliche Lüge" handelt es sich hierbei also nicht.

Eigene Gedanken zu dieser Studie

Bei meiner Umfrage habe ich Lügen von Frauen und Männern aus der Ratgeber-Literatur verwendet und sie auf ihre Verwendungsweise beim Seitensprung überprüft. Eine große Schwierigkeit bestand darin, genügend Lügen, Lügen welche die Ratgeber-Literatur Frauen zuschreibt, zu finden. 

Aus diesem Grunde überwiegen die "Männerlügen" bei meinem Fragebogen. Schon zu Beginn der Befragung beschwerten sich viele Teilnehmer, dass die von mir präsentierten Lügen nicht zutreffend seien. Ebenfalls bemängelt wurde, dass es sich nur um Lügen handle, Gefühle und Gründe für den Seitensprung würden nicht abgefragt. Auf Einträge in mein Gästebuch antwortete ich deshalb, dass es sich um eine Studie über die Lügen beim Seitensprung und nicht über Gründe zum Seitensprung handle.

Viele Teilnehmer schickten mir Nachrichten am Ende des Fragebogens, in denen sie über ganz persönliche Gründe und ihren Umgang mit dem Seitensprung berichteten. Die Auswertung lässt erkennen, dass sich Frauen und Männer nicht an "ihre Lügen" halten. Im Gegenteil, Frauen benützen die Lügen der Männer und die Männer die Lügen der Frauen. Verkehrte Welt? Oder haben sich Frauen die Lügen der Männer zugelegt, weil sie gemerkt haben, dass Männer damit weiterkommen? 

Die Auswertung widerlegte die Zuschreibung vieler Lügen auf ein bestimmtes Geschlecht. Nähern sich die Geschlechter beim Lügen an? Geschieht das bewusst oder unbewusst? Oder treffen die sogenannten Männer- und Frauenlügen bei den meisten Teilnehmern nicht zu?

Zu Beginn dieser Arbeit war ich noch der Meinung, dass Lügen etwas Verwerfliches sind und es dringend vonnöten sei, immer die Wahrheit zu sagen. Diese Ansicht habe ich im Laufe der Literaturrecherche, nach dem Studium der vielen weiblichen und männlichen Lügenmuster, gründlich revidiert.

Aus heutiger Sicht kann ich für mich sagen, dass ein Leben ohne Lüge nicht möglich ist. Die einzige Möglichkeit, die mir vernünftig erscheint, ist, die Lügen soweit wie möglich zu reduzieren.

Ein Leben ohne Lügen führen zu wollen ist meiner Ansicht nach reine Wunschvorstellung und im täglichen Umgang mit Menschen auf keinen Fall durchzuhalten.

Teil 2 folgt...

Quelle: Ingrid Weichelt-Ueltzhöffer / ikvk.de
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