Weder ledig noch liiert...
Sind Mingles die neuen Singles?

Veröffentlicht: 12. Mai 2016

Mingle, das klingt wie Turtle oder Monchichi, irgendwie putzig. Wenn man das Wort zum ersten Mal hört, könnte man glatt meinen, es handle sich um die neue Kuschelbären- Kollektion aus dem Hause Steiff. Holzweg! Der die das Mingle ist ein Phänomen. Ach was, es handelt sich um das Zeitgeist-Phänomen der Dating-App-Nation schlechthin! Der Mingle lebt den Lifestyle der verbindlichen Ungebundenheit: maßgeschneidert für Tinder, LOVOO und Co. Sein Credo: vage bindend. Wollen wir ihn kennenlernen?

Ein Beitrag von Pamela Moucha

Pamela Moucha

Pamela Moucha ist Dating-Expertin & Pressesprecherin bei Singleboersen-Vergleich.de.

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Die offizielle Statusangabe lautet "vogelfrei" und damit auch immer für eine Eroberung zu haben. Dabei ist der Mingle durchaus verbindlich. Im Schwebezustand zwischen ledig und liiert repräsentiert Er oder Sie ein Beziehungsmodell, das gerade mächtig in Mode ist. Man nennt sich offiziell Single, lässt sich aber auf temporäre Bindungen ein: Techtelmechtel, Liaison oder Liebelei. Peter Wippermann, Trendforscher aus Hamburg, hat dem Kind seinen Namen gegeben. Mingles sind eine Wortschöpfung aus mixed + Single.

Beziehungsstatus: rätselhaft

Zwar lieben sie die definitorische Leerstelle, aber mit etwas Übung ist es doch ganz einfach, Mingles über diese unzweifelhaften Kennzeichen zu identifizieren:

  1. Mingles bevorzugen eine persönlich-freundschaftliche Ebene, gerne mit Sex, aber ohne sexuelle Treue.
  2. Mingles geben sich "offiziell" als Single aus, sind irgendwie in was Beziehungsähnliches verstrickt, leben das aber niemals offiziell als "offene Partnerschaft" aus.
  3. Mingles scheuen die Fesseln der Monogamie, suchen aber die Geborgenheit der Zweisamkeit.
  4. Mingles wollen eine schöne gemeinsame Zeit haben, ohne zu klären, in welchem Verhältnis sie zum anderen stehen.
  5. Mingles haben oft mehrere "Friends with benefits" und kriegen das in der Regel auch gut organisiert.

Diagnostisch gesehen kann man sich nun darüber streiten, ob das Minglesein eher einer Unfähigkeit entspringt (etwa der, sich zu einem Partner zu bekennen) oder aber ein zeitgemäßes Lebenskonzept ist. Quasi das Ideal aus "Ich will die Nähe der aufregenden Affäre ohne die beengende Bindung." Da wirft die Kritikerstimme gleich ein: "Mingles kultivieren nur die angenehme Seite einer Beziehung, sie verweigern sich den Mühen, eine Partnerschaft nachhaltig zu pflegen." Was die Anhänger in die Waagschale werfen, hat Meret Becker in Kleine Haie so schön besungen: "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, ich glaub, ich gehöre nur mir ganz allein."

Mingle, der neue Beziehungsstatus trendbewusster Singles
Mingle, der neue Beziehungsstatus trendbewusster Singles

Es muss jedenfalls ein echter Fan gewesen sein, der sich elegante Umschreibungen wie diese ausgedacht hat: Friend with benefits - der Kumpel mit den gewissen Vorzügen. Na gut, Fuckbuddy ist weniger sublim, aber man weiß wenigstens sofort, welche Art von Bonus der Mingle-Freund zu bieten hat: Es darf nämlich erotisch werden. Nicht, dass man das jetzt komplett in eine Richtung missversteht: Mingle sind keineswegs die Idealbesetzung für einen schnöden One-Night-Stand! Es darf schon kuschelig werden, auch mehrmals in der Woche. Mingles lassen sich gern ein bei Tee und Kerzenschein, bloß wenn es ihnen zu dicht wird, treten sie den Rückzug an.

Mingle-Feldforschung im Eigenversuch

Unter Journalisten ist es zur Zeit en vogue, sich als schreibendes Versuchskaninchen in jeden halbwegs spektakulären Trend hineinzustürzen. So berichtete eine Autorin mit Ambitionen auf eine feste Partnerschaft kürzlich über ihre ernüchternden Erlebnisse im freiwilligen Selbsttest an der Tinderfront: Drei Herolde hatten Anstalten gemacht, sie kennen zu lernen, hatten gebuhlt, geworben und geflirtet, was das Zeug hält. Als man sich dann aber schon ein bisschen nähergekommen war und sie verbindlich Interesse signalisierte, wurd's den Mannen ungemütlich. Flap flap flap - waren sie unter windigen Vorwänden schnell sang- und klanglos wieder abgetreten. "Mingles!", lautete ihre ernüchterte Diagnose.

Mingle ist, wer die Schwelle der Verbindlichkeit nicht ganz und gar übertreten will. Während das beim Kennenlernen über Flirt-Apps und Singlebörsen schnell zu fiesen Enttäuschungen führt, ist der Mingle mit anderen Formaten wiederum bestens kompatibel. Zum Beispiel Casual Dating, hier ist klar: Ich suche Sex. Noch besser auf Seitensprung-Portalen: Ich bin gebunden und suche Sex, spätere Heirat ausgeschlossen. Für die Betreiber von Dating-Plattformen ist der Mingle natürlich ein gefundenes Fressen, schließlich bleibt er dem Markt auf lange Zeit erhalten. Anders als sein bindungswilliges Singlependant dreht er brav seine ewigen Kreise im Online-Dating-Orbit.

Für alle Mingles, die gerne locker flirten:

Mingle = Single in offener Partnerschaft?

Der Lifestyle des Mingleseins funktioniert bestens, sofern und solange beide Seiten das Gleiche erwarten, sprich Mingle auf Mingleuse trifft. Dann können beide einvernehmlich einen länger anhaltenden Status der Halbverbindlichkeit miteinander genießen... Die entsprechende Erwartungshaltung ist jedoch da, wo Leute sich gewöhnlicherweise kennenlernen, sprich Kneipe, Party, Singlebörse oder Dating-App, nun mal nicht immerzu und flächendeckend gegeben. Da fängt dann meist das Elend an...

Eins muss man den Mingles bei aller Kritik lassen: Sie begehen nicht den typischen Fehler vieler frischgebackner Singles, sich von einer Beziehung gleich Hals über Kopf in die nächste zu stürzen, ohne das wirklich ernst zu meinen. Schlummert nicht gar in tinderesken Zeiten wie diesen ein kleiner Mingle in so manch bekennendem Single? Wer sich dieser Gewissensfrage stellen will, für den gibt es hier den ultimativen Schnelltest...

Wie viel Mingle steckt in Dir?

  1. Ich hab gerade eine langjährige Partnerschaft hinter mir und kann mich noch nicht wieder auf was Verbindliches einlassen.
  2. Ich bin gerade erst richtig im Singlesein angekommen.
  3. Treue und feste Beziehung sind doch 'Konzepte von gestern'.
  4. Ich habe keine Lust auf das ewige Beziehungskarussell und möchte was Unkompliziertes.
  5. Ich will keine Kompromisse mehr eingehen und mich anpassen, sondern einfach das tun, was ich möchte.


Treffen zwei der fünf "unzweifelhaften M-Statements" auf Sie zu? Na dann: Welcome to the club!

 

Der Beitrag "Weder ledig noch liiert... Sind Mingles die neuen Singles?" erscheint auch als Kolumne im Trendy Single Magazin (Ausgabe Januar 2016).


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