Klassische
Partnervermittler:
Worauf lasse ich mich ein?
Unser Thema
ist ja eigentlich das "Kennenlernen via Internet". Aber
wir haben bei der Verbraucherzentrale Bayern einen sehr
aufschlussreichen Artikel gefunden, in dem es um Ihre Rechte und
Pflichten geht, wenn Sie es lieber bei einem der hochpreisigen
klassischen "Partnervermittler" alias
"Eheanbahnungsinstitut" alias
"Heiratsvermittlung" versuchen möchten.
Den wollen wir
Ihnen natürlich nicht vorenthalten, denn er zeigt viele Risiken und
Gefahren auf, die Ihnen dort begegnen können:
1. Die Geschäftspraktiken der Partnervermittler außerhalb des
Internets
Den
einfachsten Tipp vorweg: Wenn Sie überhaupt keinen Vertrag mit einem
Partnervermittler schließen, können Sie sich häufig eine Menge Ärger
und Enttäuschung ersparen. Als billigere und erfolgversprechendere
Variante erweist sich, selber die Initiative zu ergreifen - und
beispielsweise eine Kontaktanzeige aufzugeben oder es im Internet zu
probieren. Eine bequeme Alternative.
Wenn Sie - aus welchen
Gründen auch immer - dennoch fremde Hilfe in Anspruch nehmen wollen,
sollten Sie sich vorher so intensiv wie möglich über die Praktiken
solcher Partnervermittler-Institute informieren. Wie arbeiten die
Partnervermittler, mit welchen Unsitten muss man rechnen?
2. Lockvogelwerbung der Partnervermittler
Man findet
die Werbung der Partnervermittler meist auf den Kontaktanzeigenseiten
verschiedener Zeitungen und Magazine. Auf der Suche nach neuer und
zahlungswilliger Kundschaft bleibt die Wahrheit nicht selten auf der
Strecke. Bereits eingebürgert hat sich die Werbung unter falscher Flagge.
Dabei liest sich der Anzeigentext recht einladend.
"Bettina,
35 Jahre, blond, attraktiv, romantisch, sehnt sich nach einem soliden
Mann, der sie liebevoll in seine Arme nimmt und ..."
Die
beschriebene Person scheint diejenige zu sein, für die es sich lohnt,
einen persönlichen Kontakt zu riskieren. Auch das manchmal abgebildete
"Originalfoto" spricht Sie an. Und um die Kontaktaufnahme
einfach zu machen, ist in der Anzeige auch gleich eine Telefonnummer oder
eine Adresse angegeben, eine Firmenangabe taucht nicht auf.
Derartige
Anzeigen haben häufig nur den Zweck, einem Vermittlungsinstitut, das sich
als solches nicht zu erkennen geben will, weitere zahlungswillige Kunden
zuzuführen. Ein vom Institut geschickt geführtes Telefongespräch soll
erreichen, Ihnen Vertragsformulare oder gar Vertreter ins Haus schicken zu
können. Ist ein Vertreter des Institutes erst einmal in Ihrer Wohnung,
kann es Ihnen schwer fallen, sich dessen geschulten Überredungskünsten
wieder zu entziehen. Schließlich haben Sie es mit Profis zu tun. Das
Ergebnis könnte ein Vertragsabschluss sein, den Sie eigentlich gar nicht
wollten oder zumindest nicht genug abgewogen haben.
Ein weiteres
Problem: Von der Person, die in der Anzeige beschrieben wurde, ist meist
nicht mehr die Rede, wenn es zum Vertragsabschluß kommt. Angeblich ist
"Bettina, 35" bereits anderweitig vermittelt. Oft erscheint
diese Person nicht einmal mehr auf der Adressenliste des Instituts.
Mitunter
kommt es sogar vor, dass für das Kontaktanzeigengeschäft eigens Lockvögel
engagiert werden. Es handelt sich dabei um attraktive Frauen und Männer,
die ihr Foto und gegebenenfalls ihre Telefonnummer zu Werbezwecken zur
Verfügung stellen. Deren Aufgabe besteht dann darin, ernsthafte
Partnersuchende abzuwimmeln und durch den Vermittlungsversuch den
Provisionsanspruch des Institutes entstehen zu lassen.
3. Tipps
Vorsicht,
wenn Anzeigen eine Telefonnummer oder Adresse enthalten, die im
Anzeigenteil öfter vorkommt. Sie müssen damit rechnen, einen
kommerziellen Partnervermittler zu erreichen - und nicht einen
Partnersuchenden. Meldet sich eine Firma, legen Sie gleich wieder auf.
Denn wer es nötig hat, so zu werben, wird für Ihre Partnersuche sicher
nicht der richtige "Partner" sein. Lassen Sie sich nicht zu
einem Informationsgespräch überreden. Geben Sie auf keinen Fall Ihre
Adresse oder Telefonnummer an.
4. Was können Partnervermittler leisten?
Viele
Institute arbeiten mit einem "computerisierten
Vermittlungsversuch". Dabei ermittelt ein Computer anhand möglichst
vieler Übereinstimmungen in den "Persönlichkeitsprofilen" den
angeblich idealen Partner aus dem Kreis der anderen gespeicherten
Interessenten.
Mit mehr
oder minder detaillierten Fragebögen wird das sogenannte Persönlichkeitsprofil
erstellt. Nachdem der Computer eine Liste angeblich passender Personen
ausgespuckt hat, schlägt Ihnen das Institut die Adressen dieser Personen
zur Kontaktaufnahme vor. Das ist alles, was ein solches Institut leistet.
Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Für die Leistung
"Adressenvermittlung auf Basis ausgewerteter Partnerfragebögen"
müssen Sie als Kunde bis zu 7.000 Euro bezahlen.
Dabei ist
die Verwertbarkeit der Übereinstimmungen in den standardisierten Persönlichkeitsprofilen
sowieso von vornherein fragwürdig. Außerdem - Hand aufs Herz - wer
zeichnet nicht ein geschöntes Idealbild von seiner Person, wenn er den
Fragebogen ausfüllt. Ebenso werden es die anderen Kandidaten tun.
5. Mehr Erfolg durch Videos beim Partnervermittler?
Vorsicht ist
geboten, wenn ein Partnervermittler "zur Verbesserung der
Vermittlungschancen" zusätzliche Leistungen anbietet, wie
beispielsweise das Aufnehmen eines Präsentations-Videos, und hierfür die
Unterzeichnung eines zweiten Vertrages verlangt wird, der sich ausschließlich
auf die Herstellung des Videos bezieht. Für das Anfertigen eines 30minütigen
Videofilmes werden bis zu 2.000 Euro verlangt.
6. Tipps
für den Vertragsabschluss mit dem Partnervermittler
Überlegen
Sie sich sehr gründlich, ob Sie die Risiken und Kosten eines Vertrages
mit einem Partnervermittler auf sich nehmen möchten. Wenn Sie auch nur
die geringsten Bedenken haben, schließen Sie keinen Vertrag mit einem
Partnervermittler ab. Falls Sie dennoch auf die Risiken einlassen und auch
die immensen Kosten tragen wollen, so beachten Sie auf jeden Fall die
folgenden Hinweise: Prüfen Sie den Vertragsinhalt vor einem
Vertragsabschluss sehr genau. Verlangen Sie ein Vertragsexemplar, das Sie
vor der Unterschrift zu Hause in Ruhe prüfen können. Lassen Sie sich
gegebenenfalls in einer Verbraucherberatungsstelle beraten. Lassen Sie
sich neben der Vertragskopie auch eine Kopie des Partneranforderungsbogens
(Partneranforderungsprofil) geben. Sie können dann kontrollieren, ob die
zur Verfügung gestellten Adressen wenigstens diesem Profil entsprechen.
Bezahlen Sie bei einem solchen Geschäft niemals alles im voraus. Zahlen
Sie nie mit einem Wechsel oder Scheck. Vermeiden Sie Kredite. Versuchen
Sie, mit dem Institut selbst Teilzahlungen auszuhandeln. Seriöse
Unternehmen sollten sich eigentlich darauf einlassen.
7. Das Herzensglück kann teuer werden...
Auf der Suche nach dem Traummann
oder der Traumfrau steht man oft allein da. Zwar bieten Partnervermittler
ihre Dienste an, doch deren komplizierte und kaum verständliche Verträge
stellen nicht nur Verbraucher, sondern auch die damit beschäftigten
Juristen vor schwierige Probleme. Oft ist nicht einmal deutlich
erkennbar, welche Leistungen das Institut verspricht. Auch bewegt sich
die Werbung vieler Unternehmen hartnäckig am Rande des unlauteren
Wettbewerbs. [...]