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Dieser bislang größte Deal in der Dating-Welt ging zwar so
betitelt durch die Gazetten, genaugenommen erwarb Penthouse aber
nicht nur AdultFriendFinder.com, den 1996 gegründeten
Weltmarktführer im Adult-Dating, sondern die gesamte Various
Inc. Dieses Unternehmen hält hauptsächlich die zahllosen
baugleichen FriendFinder-Portale, z.B. Alt.com,
AsianFriendFinder, GermanFriendFinder, Amigos.com,... , aber
auch Dienste wie z.B. das semipornografischen CAMS.com.
AdultFriendFinder: Zu dick für die
Konkurrenz
Schon immer gab es Verkaufsgerüchte um
Adultfriendfinder. Die vergingen aber genauso schnell, wie sie
gekommen waren.
Denn: Für einen Player aus demselben Segment wäre ein Deal mit
Adultfriendfinder kaum zu stemmen gewesen. Wie uns der Gründer
und CEO von Friendfinder Andrew Conru bei
unserem Interview im
Silicon-Valley verraten hat, arbeiten mittlerweile über 400
Angestellte in der Zentrale. Und weltweit über 250 Millionen
registrierte Mitglieder im FriendFinder-Netzwerk sprechen eine
deutliche Sprache... [Nicht zufällig steht Adultfriendfinder
deshalb auch bei unserem Test der
Portale von Sexkontakten auf
Platz 2, nur knapp geschlagen von FirstAffair.]
AdultFriendFinder: Zu komisch für
klassische Investoren
Auf der anderen Seite mochten sich die
konservativen Verlagshäuser, die ja eigentlich gerade auf
großer Web2.0-Einkaufstour sind, nicht die Hände mit einem
"Porno-Portal" schmutzig machen. Selbst die VCs, die
sonst jeden guten Deal wittern, hielten sich von
Adultfriendfinder fern. Wäre Adultfriendfinder ein
"normales Dating-Portal", so hätten sich mit
Sicherheit alle Banken darum gerissen, das Unternehmen bei einem
IPO zu begleiten. Und genau so sicher wäre es gewesen, dass
dieses IPO erfolgreich gefeiert worden wäre.
"Hätte", "Wenn" und
"Aber" - viele klasische Konstellationen kamen
aufgrund des schmuddeligen Geschäftsmodells von
AdultFriendFinder eben nicht infrage.
Penthouse ist interessiert
Seit dem Herbst 2007 hielt sich in den USA aber besonders
hartnäckig das Gerücht, Adultfriendfinder solle in Kürze
verkauft werden. Im November berichtete TechCrunch, dass
Penthouse die Various-Gruppe für 1 Milliarde US$ übernommen
habe. Diese 1 Milliarde US$ entsprechen ungefähr drei
geschätzten Jahresumsätzen. (Die AdultFriendFinder-Umsatzschätzung
hatte uns Andrew Conru doch tatsächlich in unserem Interview
bestätigt!)
Der US-Dating-Expere Mark Brooks (in 2003 und
2004 übrigens Marketing-Manager bei FriendFinder) griff sofort
zu seinem Blackberry und befragte Andrew Conru zu den vielen
Gerüchten. Conru verneinte den Verkauf, zwischen den Zeilen
konnte man aber durchaus lesen, dass bald etwas anstehen
würde... Der in den Gerüchten kolportierte Verkaufspreis von 1
Milliarde US$ war allerdings anscheinend deutlich zu hoch
gegriffen, denn via Reuters wurde Mitte Dezember der Preis von
500 Mio. US$ bekanntgegeben.
Warum ist AdultFriendFinder so günstig?
Andrew Conru war auch vorher schon
Milliardär. Das Aushandeln eines Verkaufspreieses hatte für
ihn wohl eher eine sportliche Bedeutung. In zahlreichen Foren
wurde die AdultFriendFinder-Summe aber danach heiss diskutiert
und für erstaunlich niedrig befunden. Dass der Dating-Markt als
gereift gilt und daher nicht dieselben Fantasiepreise für ein
Portal wie Adultfriendfinder gezahlt werden wie bei den hippen
Communities (die übrigens nicht mal richtig Geld verdienen) ist
noch nachvollziehbar. Aber nicht mal ein 2facher Jahresumsatz
als Kaufpreis für eine globale Marke? Selbst das deutsche
NEU.de erzielte in Relation ein Vielfaches.
Verbote für das
AdultFriendFinder-Marketing
Aber vieleicht gibt es für den niedrigen
Verkaufserlös eine ganz einfache Erklärung. Denn kaum ist der
Adultfriendfinder-Deal über die Bühne, gibt es Trouble.
Die Federal Trade Commission (FTC) erklärte
in einem Statement, dass Adultfriendfinder eine rechtlich
verbotene Form von PopUp-Anzeigen verwendet, die Besucher auf
die Website lotsen soll und denen die Verbraucher ungewollt
ausgesetzt sind, einschließlich der Kinder, die sogar sexuelle
Bilder angezeigt bekommen, wenn sie auf der Suche nach Begriffen
wie "Blumen", "Reisen" und " Ferien.
u.v.m sind.
Die FTC behauptete weiter, dass die Anzeigen
zum Teil mit Spyware und Adware verseucht waren.
Adultfriendfinder wurde von der FTC aufgefordert, die
"Porno-PopUps" auf normalen Seiten einzustellen und
auch die zahlreichen Affiliates dazu anzuhalten und zu
kontrollieren. Ferner wurde Adultfriendfinder bzw. Various
aufgefordert ein internet-basiertes Beschwerdesystem zu
installieren. Durch diese Vorgaben wird Adultfriendfinder einen
deutlichen Traffic-Einbruch hinnehmen müssen, sind sich die
US-Dating-Experten einig. Da kaum anzunehmen ist, dass Penthouse
über das laufende Verfahren nicht informiert war, dürfte das
den niedrigen Kaufpreis erklären.
Penthouse dürfte sich mit dem Deal wieder
erheblich besser im Erotik-Business aufgestellt haben. Denn
Portale wie Adultfriendfinder bereiteten Penthouse, Playboy & Co in
der letzten Zeit erhebliches Kopfzerbrechen, weil diese ihre
Marktanteile beim Verkauf von Erotik-DVDs etc. immer mehr
ausbauten bzw. alternative Inhalte für Erotik-Konsumenten
anbieten. Dazu passt ein alter Unternehmerspruch: "Wenn Du
einen Wettbewerber nicht schlagen kannst, dann kauf ihn
einfach..."
Wer noch mehr über den Werdegang von
AdultFriendFinder wissen möchte, dem empfehlen wir unbedingt
den informativen und ebenso humorvoll geschriebenen Artikel
"The accidental friend finder" auf CNNMoney.com zu
lesen.
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