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Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Japaner gerne
unter ihresgleichen bleiben (Laut CIA-Bericht tendiert der
Ausländeranteil gegen Null!) und sich schon ein bißchen für etwas
Besonderes halten.
Da das Landesinnere
ziemlich bergig ist, gnubbeln sich die meisten der 127 Millionen
Einwohner (ca. 1,5x Deutschland) in den Großstädten an der
Küste: Allein in Tokio leben auf engstem Raum 30 Millionen
Menschen. Ähnlich
wie viele andere Industrienationen beginnt auch Japan unter den
Konsequenzen einer überalterten Gesellschaft
(Durchschnittsalter 42,9 Jahre, Deutschland 42,6) und
Kindermangel (wie in Deutschland 1,3 Kinder pro Frau, statt 2,1,
die für den Fortbestand nötig wären) zu leiden.
Die Religion stellt keine
einschränkende Rahmenbedingung für das Online-Dating dar. Der
von über 90% praktizierte Buddhismus und Shintuismus ist
generell sehr liberal und hat wenig vorschreibenden Charakter.
Beispielsweise ist der Begriff der "Sünde" unbekannt.
Singles in Japan:
2. Gesellschaft und Miteinander
Der wohl größte
Unterschied zwischen dem Westen und Japan sind die Grundwerte,
auf denen die Gesellschaften aufbauen. Während im Westen der
Individualismus die treibende Kraft ist (Stichworte:
Selbstverwirklichung, Ellbogen, Durchsetzen, Eigenverantwortung,
Jeder ist seines Glückes Schmied,...), handelt es sich in Japan um
eine Konsens- und Gruppenkultur. Grundsätzlich gilt es in
Japan:
- sich Gruppen
zuzuordnen
(Familie, Unternehmen, Sportverein, Staat)
- sich in den Dienst der
Gruppe zu stellen
- eigene Bedürfnisse
bis zur Selbstaufgabe hintenan zu stellen
- Konflikte und harte
Worte zu vermeiden
Da sich Japaner permanent
in Gruppen bewegen (z.B. mehrmals wöchentlich Abende mit
Kollegen verbringen), bleibt viel weniger Raum für individuelle
Freizeit oder für Freundschaften. Japaner sind weiterhin
äußerst bemüht darum, nicht aufzufallen, und halten sich
daher in extremem Maße an vorgegebene Regeln und Gesetze.
Die Gruppenkultur ist
eines der größten Hemmnisse für die rasche Verbreitung des
Online-Dating in Japan. Sich zu Blinddates zu verabreden, ist
eben eine sehr individuelle Angelegenheit.
Singles in Japan:
3. Wirtschaft und Konsum
Wie im vorherigen
Abschnitt dargestellt gehört die Firma viel mehr als in
Deutschland zur Familie. Individuelle Karrieren gelten deutlich
weniger als im Westen, Vernetzung und Kontaktpflege mit
wichtigen Ansprechpartnern ist alles! Das kostet eben seine
Zeit...
Japan ist ein absolutes
Hitech-Land. Was technisch möglich ist, wird sofort umgesetzt:
Vom
vollautomatischen Toilettensitz bis zu 3D-Röntgengeräten in
allen Krankenhäusern.
Der Japaner an sich ist
ein Konsum- und Mode-Freak. Wer einmal in Tokio war, schämt
sich für seine Klamotten und seine Frisur in Grund und
Boden... Sonderangebote werden ignoriert, denn was billig
ist, kann schließlich nichts taugen. Das gilt auch für Ware,
die nicht ausreichend in Szene gesetzt wird.
Wir fühlten uns, was den
Stand der Technik im Alltagsleben angeht, ein wenig
so, als würde es sich bei Deutschland im Vergleich zu Japan um
ein Dritte-Welt-Land handeln.
Singles in Japan:
4. Kommunikationstechnologie
Japaner sind absolut
süchtig nach Mobiltelefonen. Anders als in Deutschland ist der
Hauptzweck allerdings nicht das Telefonieren, sondern das mobile
Surfen und Mailen: Praktisch jedes Handy hat eine E-Mail-Adresse
und etwas über 50 Millionen Japaner nutzen das abgespeckte mobile
Internet namens "imode", das hierzulande nie den Durchbruch
schaffte. Sie überbrücken so die tägliche 1-2 stündige
U-Bahn-Reise vom Vorort an den Arbeitsplatz.
| Exkurs:
Wie tippen Japaner ihre Schriftzeichen ein?
Traditionell
verwenden Japaner die chinesische Schrift, sprich
Tausende von Symbolen - für jedes Wort eines
("Kanji").
Als
Alternative wurde ein Alphabet entwickelt, bei dem
jedes Zeichen für eine Silbe steht, z.B. schreibt
sich "Kawasaki" in dieser Schrift mit vier
Buchstaben:
"ka"-"wa"-"sa"-"ki").
Viele Eigennamen und englische Wörter werden immer
in diesem Alphabet geschrieben, da es keine
passenden Kanji-Zeichen gibt.
Eine
Computer- oder Handy-Tastatur sieht in Japan aus wie
bei uns: Auf den Tasten finden Sie
"unsere" Buchstaben. Die armen Japaner
müssen darauf Silben tippen, aus denen dann
Kanji-Zeichen werden: Ein getipptes "k"
und "a" werden auf dem Bildschirm zum
Zeichen für die Silbe "ka". Wer die
Zeichen "ka", "wa",
"sa" und "ki" auf den Bildschirm
gezaubert hat, drückt bei Bedarf dann die
Umwandlungstaste, um das Kanji-Symbol für
"Kawasaki" zu erhalten.
Übrigens:
Die Schreibrichtungen sind völlig durcheinander:
Ursprünglich wurde erst von oben nach unten und
dann weiter von rechts nach links geschrieben - so
findet man es meist in der Literatur vor. Auf
Schildern oder im Internet ist die Richtung hingegen
wie bei uns von links nach rechts und von oben nach
unten. |
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Internet für den Privatgebrauch
läuft meist über DSL, in den Städten gerne auch Glasfaser. 2006
wurden in Japan rund 15 Millionen DSL-Anschlüsse gezählt, das
entspricht demselben Niveau wie Deutschland (11 Mio.).
Insgesamt überwiegt in
Japan aber das "Mobile Business" gegenüber dem
Internet. Indikator: Im März 2007 wurden rund 900.000
".jp"-Domains gezählt - gegenüber über 11 Millionen
".de"-Domains.
Singles in Japan:
5. Lebensabschnitte und Familie
Natürlich lässt sich ein
127-Millionen-Volk nicht über einen Kamm scheren.
Nichtsdestotrotz skizzieren wir mal den japanischen
"Standard-Lebensentwurf":
- Bis zum 18. Lebensjahr
zwängt sich der Japaner in seine Schuluniform und wird hart
gedrillt.
- Es folgen meist vier Jahre an der Universität - der
einzige freie und ungezwungene Lebensabschnitt, bei dem in
lockerer Campus-Atmosphäre aber die Lebenslauf-entscheidenden
Seilschaften geknüpft werden.
- Mit 22 geht's ins Berufsleben -
für Männer bis zur Rente mit 60. (Aber auch dann arbeiten
viele noch weiter, da sie sich verpflichtet fühlen, ihren
Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten.)
- Frauen werden nach dem
Studium gerne "OL" (Office Lady),
mit dem Ziel,
möglichst schnell unter die Haube zu kommen
(Selbstverwirklichung im Job hat für die meisten keine hohe
Priorität, sie sind gerne Ehefrau und Mutter).
- Ist man erstmal verheiratet, bleibt man es eher
als in Deutschland auch, auch wenn Japan bei den Scheidungen im
letzten Jahrzehnt kräftig aufgeholt hat. Die Frau ist daheim
die unumstrittene Chefin: Der Mann bekommt i.d.R. nur noch
ein Taschengeld zugeteilt.
Singles in Japan:
6. Single-Dasein
Nach offiziellen Statistiken leben in Japan rund
30 Millionen Singles, sprich unverheiratete Erwachsene. Diese
Zahl lässt sich nur schwerlich zu Deutschland (11 Millionen
Singles) in Bezug setzen, da es in Japan absolut unüblich ist,
eine lange Beziehung zu führen oder zusammen zu wohnen, ohne
verheiratet zu sein. Als Zielgruppe für Online-Dating-Services
kommen alles in allem schätzungsweise 20 Millionen
"Singles mit Internet-Anschluss" in Frage.
Single-Männer wohnen entweder in Wohnheimen ihrer Firma oder
daheim, unverheiratete Single-Frauen fast immer bei ihren
Eltern. Japan klagt insgesamt über rund 12 Millionen junge
"parasitäre Singles", die das praktische "Hotel
Mama" ausnutzen.
Frauen mussten sich bis in die 90er Jahre
sputen, denn wer mit 30 Jahren nicht verheiratet war, galt als
aussichtsloser Fall. Durch die höhere Scheidungsrate gibt es
heute zwar einen größeren "Zweitmarkt", aber das
Denken ist immer noch weit verbreitet.
Singles in Japan:
7. Kennenlern-Mechanismen
Wie findet man als Single in Japan denn
nun seinen Traumpartner?
- Omiai:
Bis vor einer Generation wurden die meisten Japaner schlicht
verheiratet. Dazu schickten die Eltern des Jungen einen
meist semiprofessionellen Partnervermittler los, der diverse
Treffen arrangierte. Es handelt sich aber nicht um
Zwangsehen, denn die Auserwählte hat das Recht,
"Nein" zu sagen. In einigen Fällen mehrere
Hundert Mal...
Noch 1997 kam jede fünfte Ehe auf diesem Wege zustande.
- Gocon:
Diese beliebte Gruppenveranstaltung basiert darauf, dass ein
Mann und eine Frau jeweils 2 bis 10 Single-Freunde
zusammenführen und einen gemeinsamen Abend verbringen. Die
Organisatoren sind dafür verantwortlich, dass alles
reibungslos läuft und jeder glücklich wird...
- Nanpa:
An belebten Straßen stehen extrem aufgebretzelte junge
Männer (gerne zu zweit) herum. Sobald eine interessante
Frau auftaucht, wird sie bis zum Abwinken vollgequatscht.
Die allermeisten Frauen finden das natürlich bescheuert!
- Love Hotel
Da die meisten Singles noch bei den Eltern leben, findet man
landesweit sogenannte "Love Hotels", die man
stundenweise mieten kann, um mit dem Aufriss bzw. dem
Langzeit-Date intim zu werden.
Ein gute bestückter Automat mit Sextoys fehlt selten, wie
wir herausgefunden haben ;-))
Ansonsten läuft das
Kennenlernen gerne innerhalb der Gruppen
(Firma, ...) - und mittlerweile auch in Bars und Clubs ab. Das
Bild ganz oben zeigt eine Kreuzung in Tokio an einem Mittwoch
morgen um 5:30 Uhr: Zehntausende von Nachtschwärmern purzeln aus
den Diskotheken und nehmen den ersten Zug nach Hause. An einem
Wochentag! Noch Fragen? ---
Dieser Artikel gehört zur Serie
"Singlebörsen in Japan".
Hier die zugehörigen Texte:
» Einleitung und Übersicht
» Teil 2: Die Welt der
Singlebörsen in Japan
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