Herr Miethke, wir freuen
uns, dass wir Sie hier in Maastricht treffen dürfen - unser erster
Kontakt zur Gay-Dating-Szene. Warum sind die großen deutschen
Plattformen in die Niederlande umgezogen?
GayRoyal ist vor zwei Jahren nicht nach Maastricht
"umgezogen". Vielmehr hatte das deutsche Unternehmen, das
gayroyal.de betrieben hat, aus rechtlichen Gründen seinen Betrieb
eingestellt. Wir haben dann die Restbestände aufgekauft und sind mit
GayRoyal.com aus den Niederlanden wieder online gegangen. Es hat schon
früh enge Verbindungen von GayRoyal nach Maastricht und Amsterdam
gegeben. Schließlich wird hier schon seit über 5 Jahren für
GayRoyal programmiert.
Was meinen Sie mit
"rechtlichen Gründen"?
Um als Gay-Dating-Portal konkurrenzfähig zu sein, müssen wir unseren
Mitgliedern einen schnellen Zugang auch zu den
"Erwachsenen-Inhalten" bieten, so wie dies auch alle anderen
großen schwulen Datingsites tun. Ohne komplizierte und teure Anmelde-
und Verifikationsprozeduren, wie sie in Deutschland inzwischen Pflicht
sind. Denn für die gibt es leider keine Akzeptanz bei den Usern, auch
nicht bei den deutschen.
Das heißt in letzter Konsequenz: Ohne diesen Neuanfang von hier aus
würde es GayRoyal heute nicht mehr geben. Zum Glück ist in Holland
Sexualität immer noch etwas, was erst mal schön ist und Spaß macht
und nicht etwas, was als potentiell Unanständiges oder gar
Kriminelles streng reglementiert werden muss.
Von einer reinen Erotikseite kann übrigens trotz
"Erwachsenen-Inhalten" keine Rede sein. Traditionell ist der
Übergang zwischen nicht erotischen und sexualisierten Inhalten bei
schwulen Sites fließend. Die klare Trennung, die da bei
heterosexuellen Angeboten gerade auch bei Ihnen in Deutschland gemacht
wird, gibt es bei uns so gut wie nicht. Trotzdem ist es so, dass die
meisten User GayRoyal.com nutzen, ohne auf die erotischen Inhalte
zuzugreifen.
Wie ist denn Ihrer
Meinung nach die Online-Schwulenszene in Deutschland aufgeteilt?
Die größte Seite für den deutschen Markt ist wie wir auch schon
einige Zeit in den Niederlanden ansässig. An zweiter Stelle stehen
wohl wir in der Usergunst. Dann gibt es noch diverse weitere Sites,
die sich teilweise an spezielle schwule Gruppierungen richten, in der
Regel aber ihren Ursprung nicht in Deutschland haben. Die Anzahl der
Angebote steigt ständig, die Qualität nicht immer.
Wir haben uns ehrlich
gesagt gewundert, dass man die führenden Gay-Dating-Portale kostenlos
nutzen kann…
Das hat sich in Deutschland so entwickelt, nicht zuletzt durch die
Konkurrenz zwischen GayRoyal und gayromeo. Schon die englischen Seiten
sind deutlich restriktiver und in der Regel auch teurer, von den
amerikanischen ganz zu schweigen, wo man nur wenig tun kann ohne zu
zahlen.
Natürlich haben wir dafür gesorgt, dass es neben den umfangreichen
kostenlosen Optionen bei GayRoyal, sich trotzdem richtig lohnt mit dem
Premium Account XL zu surfen. Viele praktische Möglichkeiten vom
Nachrichtenverlauf zu jedem User über 2 Wochen bis zur Videoflatrate
machen das sehr komfortabel, bunter und unterhaltsamer.
Wie sehen Sie schwule
Partnervermittlungen à la "gay2gether" und
"gay-parship"?
Die Szene, die bei uns aktiv ist, würde von langen Fragebögen und
unspontaner, datenbankbasierter Vermittlung gelangweilt sein.
Außerdem glaube ich, das man schnell erkennt, wie der Mann gestrickt
ist, mit dem man gerade chattet. Hat er sich ein bisschen Mühe mit
seinem Profil gegeben, hat er Bilder bzw. Videos von sich oder
versteckt er sich, schreibt er fehlerfrei oder nicht, ist er
verbindlich oder das Gegenteil davon. Da würde ich mich doch immer
eher auf meinen gesunden Menschenverstand verlassen, als auf
psychologische Fragebögen...
Mal abgesehen davon, dass sich diese Seiten ihre Psychologie teuer
bezahlen lassen.
GayRoyal.com ist schließlich auch kein ausschließliches
Eheanbahnungsinstitut sondern eine Social Network Seite für schwule
und bisexuelle Männer. Viele User sind bei GayRoyal online, um ihre
ganz alltägliche Kommunikation mit Freunden zu erledigen (mailen ist
eben billiger als sms schreiben), sich in Interessen-Communities zu
treffen oder einfach nur zu chatten oder Videos anzusehen.
Worin unterscheidet sich
GayRoyal von GayRomeo?
Es gibt da Unterschiede in der Nutzerstruktur, der Programmlogik und
natürlich bei den Features. Unsere Community ist im Mittel
erwachsener, was sich zum Glück auch positiv auf die
Kommunikationsqualität auswirkt. GayRoyal bevorzugt eine flache
Programmstruktur. Egal, wo man sich gerade im Programm befindet -
alles ist auf kürzesten Wegen zu erreichen, ohne dass man
verschlungene Pfade klicken muss, bis man an gut versteckte Funktionen
kommt. Wer gerne Uservideos ansieht oder in Echtzeitchatrooms chatten
möchte, die man auch selber anlegen kann, ist sicher besser
aufgehoben bei GayRoyal. Die Videofunktion ist vergleichbar mit der
von youtube und es stehen gut 18.000 Clips zur Verfügung. Klar, dass
man da auch nach Inhalten suchen kann.
Wie funktioniert das
Marketing im Gay-Dating?
Wir wachsen in der Tat hauptsächlich durch Mundpropaganda. Das, was
sich im Hetero-Dating bewährt hat, also zum Beispiel Google-Werbung,
Banner oder TV-Spots, ist in unserer Branche eher die Ausnahme. Dazu
kommt, dass klassische Werbung in Magazinen teuer ist, bei eher
zweifelhaftem Erfolg.
Wie beschreiben Sie einem
Neuling das durchschnittliche GayRoyal-Mitglied?
Zu etwa 60 % kommt der Durchschnitts-GayRoyal-User aus dem
deutschsprachigen Raum. Er ist 35 Jahre alt und fühlt sich wohl
zwischen richtigen Männern, die auch schon mal behaart sein dürfen
und wo eine stattliche Statur kein Grund ist, von der Brücke zu
springen. Im schwulen Jargon würde man GayRoyal als
"bärig" bezeichnen, aber es ist offen für alle und so gibt
es vom Boy über den Skin bis zum Daddy das gesamte schwule Spektrum.
Darüber hinaus sind erstaunlich viele bisexuelle Männer online. Auch
die fühlen sich bei GayRoyal wohl, denn es erlaubt ihnen sich
inkognito zwischen den Welten zu bewegen.
Das wäre unsere nächste
Frage: Geht es immer um den schnellen Sex?
Oh, um das zu beantworten, müsste ich etwas weiter ausholen: Erst mal
glaube ich, dass sich der heterosexuelle Mann bei seinen sexuellen
Bedürfnissen nur in einem Punkt vom schwulen Mann unterscheidet,
nämlich in der Wahl des präferierten Geschlechts. Es gibt
wissenschaftliche Untersuchungen darüber, wie lange sich ein
Heteromann im Durchschnitt ziert, bis er auf ein eindeutiges Angebot
einer Frau eingeht. Die Ergebnisse aller dieser Untersuchungen sind
für Monogamisten wenig ermutigend. Ralf König hat mal in einem
seiner Comics sinngemäß geschrieben, dass wenn es in Braunschweig
einen Park geben würde, wo sich des Nachts erregte Frauen an ihren
Geschlechtsorganen reiben, man eine neue Autobahnabfahrt bauen
müsste, um dem zusätzlichen "Verkehr" Herr zu
werden.
Will sagen, es geht ALLEN Männern oft um den schnellen Sex. Der
schwule Mann hat eben den Vorteil, dass er davon ausgehen kann, dass
sein Gegenüber dasselbe will wie er, und daher wird ein eher
offenerer Umgang miteinander gepflegt, als vielleicht in einer
Heterobeziehung. Fragen sie doch mal ihre Gattin was sie zu einem
Dreier sagen würde. Für 80 % aller Mann-Frau-Beziehungen wäre das
der Todesstoß.
Aber es geht keineswegs immer um den schnellen Sex. Wie ich eben schon
mal gesagt habe, nutzen viele User GayRoyal als Kommunikationsmedium
und greifen gar nicht auf erotische Inhalte zurück. Deshalb gibt es
auch jede Menge Mitglieder, die ganz klar schreiben "Sex, nein
danke" oder "Ich suche eine langfristige Beziehung".
Wie lange würde ich
brauchen, wenn ich via GayRoyal schnellen Sex wollte?
Wenn Sie sich als Neuling ein Profil mit einem netten Foto
anlegen, läuft das direkt über die Startseite. Rechnen Sie mit 300
Profilbesuchern in sehr kurzer Zeit, die Ihnen bei Gefallen ein Smiley
(Sympathie) oder Dickie ("Du bist geil") schicken. Wenn sie
nicht gerade auf einer Bohrinsel wohnen, werden Sie kaum 20 Minuten
brauchen…
Hat das Internet mit
diesen krassen Möglichkeiten die Schwulenszene verändert?
Diese "krassen" Möglichkeiten gibt es für die Heteros ja
auch und Millionen nutzen sie. Aber zurück zur Schwulenszene. Ganz
eindeutig gibt es Veränderungen. Selbst in großen Städten wie
London, Amsterdam oder Hamburg leidet die klassische Homo-Gastronomie
unter dem Online-Dating. Wo früher noch ordentlich was los war,
garantiert heute höchstens noch eine "Happy hour" oder
ähnliches für ein volles Haus unter der Woche. Sich online zu
verabreden ist neben anderen Vorteilen ganz einfach kostengünstiger
als richtig auszugehen. Und ich finde, dass die Gastronomie die
Herausforderungen durchs Internet zu spät erkannt hat und wenig neue
Ideen dem gegenüber gesetzt hat.
Abschließend unsere
Standardfrage: Wo sehen Sie GayRoyal in fünf Jahren?
In den nächsten Monaten launchen wir das größte Update in unserer
Geschichte. Gerade international wollen wir mit unseren neuen
Entwicklungen punkten. Und wir sind sehr guten Mutes, dass die User
lieben werden, was da kommen wird! Wir wollen mit GayRoyal auch
weiterhin der Trendsetter in Sachen Technologie sein, so wie bisher.
Videos gibt es bei GayRoyal seit 2003 und auch bei der Integration von
Google Maps war GayRoyal im schwulen Dating der Vorreiter. Ich gehe
davon aus, dass das so bleibt
Herr Miethke, wir danken
Ihnen für das Gespräch!
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