Frau Swoboda, Sie arbeiten
als Singlecoach und bieten Seminare für Singles an. Zunächst ist uns
bei unserem Test aufgefallen, dass es ein riesengroßes
Begriffswirrwarr auf dem Gebiet "Seminare für Singles"
gibt: "Single-Coaching", "Flirt-Training",
"Pick-up-Artists", "NLP-Flirten"...
Was ist hier eigentlich genau was?
Ja, es ist sicher sinnvoll, die Begriffe einmal zu klären. Single-Coaching
und Flirttraining beziehen sich auf das Coaching von Singles
bzw. auf das Erlernen des Flirtens allgemein.
Diese Begriffe sagen noch nichts aus über die Methode, die angewendet
wird.
Bei den Pick-up-Artists geht es darum, die Frauen
"möglichst schnell zu verführen" und NLP-Flirten
sagt etwas über die Methode aus, die benutzt wird, nämlich NLP.
OPEN4LIFE bietet Single-Coaching als Einzelcoaching an, und
zwar in verschiedenen Seminaren für Singles: z. B. das
Singlecoachingseminar für Männer und Frauen, das
Männerflüstererseminar exklusiv für Frauen und einen abendlichen
Flirtworkshop ("hinreissend
weiblich - unwiderstehlich männlich").
Im Singlecoachingseminar geht
es um das Ansprechen und Anflirten, eben darum, wie man Neugier beim
ersten Date erzeugt und gut beim anderen Geschlecht ankommt. Im
Flirtworkshop geht es um die rein "männlichen", bzw.
"weiblichen" Signale und eine bessere Ausstrahlung. Beim
"Männerfüsterer" geht es um die Kunst der Frau, so
mit dem Mann zu sprechen, dass er sie gerne unterstützt und
verwöhnt.
Und wie kann der Single
für sich selbst herausfinden, welche Form für ihn geeignet ist?
Am Besten dadurch, indem der Single die Ausschreibungen
durchliest, darauf schaut, welche Ergebnisse versprochen werden und
sich auf sein Gefühl und seine Neugier verlässt.
Es ist hier auch sinnvoll, sich
vom Trainer beraten zu lassen. Wenn mich ein Kunde anruft, frage ich
ihn danach, was er verbessern oder erreichen möchte und kann dann
sehr genau Auskunft geben, mit welchem Seminar dieses Ziel erreicht
wird.
Gibt es denn spezielle
Ausbildungen für Seminarleiter - oder darf sich jeder, der von sich
selbst glaubt, Talent zu haben, als "Singlecoach" o.ä.
bezeichnen und dann loslegen?
Es gibt keine spezielle Berufsausbildung als Singlecoach. Jeder, der
sicher ist, hier etwas anbieten zu können, darf dies tun. OPEN4LIFE
bietet allgemeine Ausbildungen als Coach in Theorie und Praxis an. Im
Anschluss daran werden die Coache darin gecoacht, ihre spezielle
Marktnische und ihr Talent zu finden. Wir achten also sehr darauf,
dass unsere Coache eine kompetente Schulung erhalten haben.
Wie ist denn Ihr
Ausbildungshintergrund? Warum fühlen Sie sich dazu berufen, als
Singlecoach zu arbeiten?
Ich habe verschiedene Coachingausbildungen absolviert - teils in den
USA, teils in Deutschland und ich wende vielseitige Methoden an.
Begonnen habe ich als Business- und Persönlichkeitscoach.
Da ich selbst lange Zeit Single
war (erst "normaler" Single, dann "Single mit
Kind"), habe ich mich mit Beziehungen und Ausstrahlung quasi aus
eigener Not heraus befasst. Mit Erfolg: Kurz darauf habe meinen Mann
kennen gelernt. Auf unserer Hochzeit berichteten wir, wie wir uns
kennen gelernt haben und wurden daraufhin im Freundeskreis zu
Ansprechpartnern in Beziehungfragen und in der Frage: "Wie
schaffe ich es, den richtigen Partner zu finden?"
Und wie viele Jahre sind
Sie schon dabei?
Vor 10 Jahren haben mein Mann und ich den ersten Singlekurs in
München durchgeführt. Damals haben wir Singles über den Zeitraum
von 6 Wochen hinweg begleitet. Heute leiten wir alle zwei Wochen
Singleseminare in vielen Städten Deutschlands und auch in der
Schweiz.
Würden Sie sagen, dass
Sie in einer "Boombranche" arbeiten? Wird das Interesse an
Singlecoaching immer größer?
Es gibt immer mehr Menschen, die sich eine Partnerschaft wünschen und
nicht wissen, wie sie sich diesen Traum erfüllen können.
Woran liegt das?
Verlernen Leute immer mehr das Flirten, so dass der Bedarf steigt?
Oder ist die Hemmschwelle der Singles gesunken, sich bei einem
Singlecoaching anzumelden?
In einer Zeit, wo Kennenlernen "in der freien Wildbahn"
immer seltener wird, die Menschen am Rechner arbeiten und sich über
den Rechner begegnen, wird das Flirten wirklich verlernt.
Und: Wir lernen in unseren Ausbildungen alles mögliche, aber nicht,
wie ich Kontakt bekomme, wie ich ihn halte, wie ich als Person, bzw.
als Mann oder Frau wirke und wie ich besser kommuniziere.
Was darf ein Teilnehmer,
der bei Ihnen ein Seminar wie "Flirten ist Fun!" bucht,
erwarten?
In erster Linie viel Spaß und nette Leute. Außerdem bekommen die
Teilnehmer Feedback über ihre Wirkung und wie sie diese verbessern
können. Bei einem echten Date erfahren die Menschen nie, woran es
wirklich gelegen hat, wenn es nicht weiter geht. Bei uns erhalten die
Männer und Frauen ehrliches Feedback über ihre Stärken und
darüber, was sie verändern können. Sie entdecken, was im Kopf des
anderen Geschlechts vor sich geht und erleben dabei meist
Überraschungen.
Außerdem erhalten die
Teilnehmer nützliche Werkzeuge in Sachen Kommunikation. Sie lernen,
wie sie jemanden ansprechen, wie sie im Gespräch interessant bleiben,
wie sie Anerkennung ausdrücken und Komplimente machen, wie sie die
andere Person emotional "berühren" und wie sie ein
Folgedate einleiten.
Durch die vielen Übungen und
den unterstützenden Umgang mit dem anderen Geschlecht bekommen sie
ein Gefühl dafür, was beim Daten funktioniert und was nicht.
Wie viele Singles nehmen
an einem solchen Seminar im Schnitt teil?
Zwischen 8 bis 16 Männer und Frauen.
Und wo liegt die
Altersspanne?
Ende 20 bis Mitte 50.
Sind die Probleme der
teilnehmenden Singles sehr individuell oder erkennen Sie gewisse
Grundprobleme, die viele Singles betreffen?
Es gibt Grundprobleme: Manchen fällt es leicht, ein Gespräch zu
führen, wenn sie jemanden schon kennen, aber sie wissen nicht, wie
sie überhaupt mit dem "Objekt der Begierde" in Kontakt
kommen können.
Andere können leicht ein Gespräch beginnen, wissen dann aber nicht,
wie sie es am Laufen und interessant halten können.
Wieder andere wollen wissen, warum kein Mann oder keine Frau dauerhaft
"anbeißt" und was sie anders machen können.
Geht es dabei eher um
Probleme in der Persönlichkeit oder einfach um bestimmte Techniken
des Flirt-Handwerks, die bei den Singles dafür sorgen, dass sie nicht
so zum Zuge kommen wie andere?
Das ist eine gute Frage. Im Singleseminar wie auch im Flirtworkshop
geht es um Techniken und um die Verbesserung der Ausstrahlung. Wenn
ich weiß, was ich reden kann, wie ich Nähe aufbaue und wie ich als
Mann bzw. als Frau besser wirke, werde ich mich dadurch beim Date
schon sicherer und wohler fühlen.
Natürlich gibt es bei jedem
Menschen - auch bei Nichtsingles Seiten in der Persönlichkeit, die
generell Erfolg, Nähe oder Partnerschaft verhindern. Für die
Menschen also, die über die Kommunikationswerkzeuge hinaus an sich zu
arbeiten bereit sind, bieten wir tiefer gehende Seminare an wie zum
Beispiel "Open4Love" oder die "Powerreihe"
mit Themen wie Schlagfertigkeit, Selbstbewusstsein, Mut,
Selbstausdruck, Charisma usw.
Worin unterscheiden sich
denn die Flirtprobleme von Frauen und Männern?
Im allgemeinen wollen Frauen lernen, Signale zu setzen und Männer
wollen die Signale, die sie erhalten, richtig deuten. Die Männer
werden vorsichtiger und unsicherer in der Kommunikation mit Frauen.
Viele arbeiten in hochspezialisierten Berufen, in denen sie vorwiegend
fachlich kommunizieren und fühlen sich daher auf dem persönlichen
Parkett unwohl.
Frauen sind in ihrer
Weiblichkeit verunsichert. Sie stehen im Leben und im Beruf
"ihren Mann", schauen aber scheu weg, wenn ihnen ein Mann
gut gefällt. Viele der Teilnehmer/innen berichten, dass sie immer nur
der "gute Freund" sind oder das sie besonders dann, wenn
ihnen jemand gut gefällt, nicht wissen, wie sie sich verhalten
sollen.
Und sind Ihnen besondere
Berufsgruppen aufgefallen, die sich bei Ihnen besonders häufig oder
besonders selten anmelden?
Wir haben schon jeden Beruf in den Trainings vertreten gehabt.
Allerdings haben wir regelmäßig Ingeniere, Techniker und
Computerspezialisten mit dabei.
Wie viel Prozent Ihrer
Teilnehmer sind hinterher "geheilt" wenn man das so sagen
darf? Was ist eine realistische Erwartung, die man an so ein Seminar
haben darf?
Da unsere Teilnehmer nicht "krank" sind, können sie auch
nicht "geheilt" werden. Man kann aber auf jeden Fall
erwarten, dass man hinterher besser kommunizieren kann, weniger Angst
hat, etwas falsch zu machen und mehr weiß, wie Frauen bzw. Männer
"ticken".
Es ist wie bei einer Treppe: Jeder steht schon zu Beginn des Trainings
auf einer anderen Stufe. Am Ende des Trainings hat jede/r ein bis zwei
Stufen erklommen und natürlich steht auch hier wieder jede/r
woanders. Der weitere Erfolg hängt dann auch davon ab, ob und wie
häufig die Teilnehmer/innen die gelernten Werkzeuge anwenden.
Was das Kennen lernen betrifft:
Wir erhalten viele Mails, in den die Teilnehmer über ihre
Erfolgserlebnisse berichten. Das freut uns sehr und macht uns erst
richtig zufrieden. Und einige Singles haben sich auch schon im
Training gefunden.
Wo wir so viel übers
Flirten gesprochen haben: Sie sind glücklich verheiratet. Kommt man
da nicht aus dem Training? Wann haben Sie selbst denn das letzte Mal
intensiv geflirtet?
Das Thema Flirten hat etwas mit dem Wohlfühlen in der eigenen
Weiblichkeit bzw. Männlichkeit und mit Sinnlichkeit zu tun.
Verheiratet zu sein steht dem nicht entgegen. Für mich geht es auch
nicht nur darum, den Teilnehmer/innen zu vermitteln, wie sie einen
Partner anflirten und "an die Angel" bekommen, sondern wie
sie darüber hinaus die Grundlage für eine erfüllte Beziehung
aufzubauen.
Frau Swoboda, wir danken
Ihnen herzlich für das Gespräch!
|