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Dr. Horst Siewert (geb. 1948)
ist Diplom-Psychologe, Ehe- und Lebensberater. Neben
Fernsehauftritten, Seminaren und Rundfunkbeiträgen widmet sich Dr.
Siewert der Weiterentwicklung von interkulturellem Beziehungswissen -
nicht nur auf privater, sondern auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene.
Dr. Horst Siewert lebt seit mehr als 20 Jahren mit einer Philippina
zusammen; sie haben eine gemeinsame Tochter.
Herr Dr. Siewert, wir
freuen uns, dass wir auf einen der wenigen Experten für
deutsch-asiatische Beziehungen und Beziehungsanbahnung gestoßen sind.
Vielleicht können Sie ja zunächst mal zu drei gängigen Klischées
Stellung beziehen? Erstens: "Deutsche Männer wollen Asiatinnen
heiraten, weil deutsche Frauen sie überfordern."
Stimmt, nach einer gewissen Anzahl von End--Täuschungen haben
die Männer tatsächlich eine bewusste oder unbewusste Angst vor der
deutschen Frau. Gewitzt durch viele Vergleichsfälle, Scheidungen usw.
sitzen Frauen mit ihren Anwälten IMMER am längeren Hebel. Solange es
gut geht ist die Sache in Ordnung, wenn aber etwas aus dem Ruder
läuft. Dann haben die Männer das absolute Nachsehen, und das wissen
sie inzwischen.
Den perfekten Ehemann, der
alles auf die Reihe bringt kann als Mann einfach nicht erfüllt
werden.
Zweitens:
"Partnervermittler für Asiatinnen arbeiten würdelos und sind
völlig unseriös."
Leider gibt es schwarze Schafe. Sowohl bei Männern als auch
bei den Frauen:
- Männer nützen gnadenlos
das absolut asoziale Ausländerrecht aus und lassen sich für drei
Monate eine Putzfrau mit Zusatzleistungen einfliegen. Die Polizei
sorgt bestimmt dafür, dass sie wieder verschwindet. Wer so etwas
als Partnervermittler fördert ist unseriös.
- Wer überhöhte Preise
verlangt und eine Frau an zwei oder drei Männer gleichzeitig
vermittelt, ist ebenfalls unseriös.
- Wenn die
Partnervermittlungen mit Asiatinnen in den Bereich des
Menschenhandels rückt, wie das die Bundesregierung derzeit
ansieht, dann ist irgendwo etwas schief gelaufen.
Seriöse Agenturen bieten
Schutz und Rat für ihre Vermittlungen an und sorgen dafür, dass zu
der Ausbeutung im Heimatland nicht noch eine zusätzliche in der
Fremde kommt. Das sind wir uns als Volk schuldig.
Drittens: "Kommt es
tatsächlich zu einer Ehe, ist die verheiratete Dame nach spätestens
drei Monaten todunglücklich und will wieder heim."
In der Regel nein. Nach meinen bisherigen Erfahrungen, und ich
kenne eine ganze Reihe von Asiatinnen die glücklich hier leben, kommt
dies nur ganz vereinzelt vor. In der Regel haben die Frauen den
Lebenslauf so gewollt und versuchen hier das Beste aus der Situation
zu machen. Der Kontakt mit der Heimat bricht außerdem nicht
vollkommen ab. Fast alle nützen einen Familienheimflug im Jahr, der
übrigens von den Airlines gesponsert wird.
Außerdem haben Asiatinnen ein
ganz anderes Verständnis von WEG SEIN. So arbeiten die Väter oft im
Ausland, in Saudi-Arabien, auf dem Schiff oder in Amerika. Da sind es
die Kinder gewohnt, dass länger Phasen des selbständig seins
bestehen.
Das hätten wir also
schonmal geklärt! Um auf einer ganz makroskopischen Ebene
fortzufahren: Welche Länder sind denn die Favoriten der deutschen
Männer, wenn es darum geht, eine asiatische Frau fürs Leben zu
finden?
Im Moment gibt es genau zwei Favoriten für deutsche Männer,
das sind Thailand und die Philippinen. Ich denke, dass in absehbarer
Zeit China und Malaysia zu den beliebtesten Ländern für deutsche
Männer hinzu stoßen wird.
Warum gerade diese
Länder?
Thailand erscheint den deutschen Männern weniger fremd, sie
haben fast alle schon einen oder zwei Urlaube dort verbracht und die
Bevölkerung ist sehr sympathisch und deutschfreundlich.
Die Philippinen bieten hierzu
eine direkte Alternative, mit dem Vorteil, dass die Menschen sehr
christlich sind und die katholische Kirche praktisch die Rolle eine
Staatsreligion ausübt.
Wer den Buddhismus scheut, wie
er in Thailand praktiziert wird, wendet sich den christlichen
Philippinen zu.
Und zu welchen Ländern
würden Sie als Fachmann raten?
Zu dem Land, mit dem man die besten Erfahrungen gemacht hat und das
einem am meisten gefällt. Außerdem muss die Partnerin genau dort
wohnen. Ansonsten macht es wenig Sinn von einem Land der dritten Welt
ins andere zu pilgern.
Haben Sie eine ungefähre
Ahnung davon wie viele deutsch-asiatische Ehen pro Jahr geschlossen
werden? Und: Ist die Scheidungsrate eher höher oder eher niedriger
als in deutsch-deutschen Ehen?
Die Eheschließung liegt bei etwa 20 000 mit steigender
Tendenz. Bikulturelle Ehen scheinen etwas besser zu halten als deutsch
- deutsche. Aber der Unterschied ist, aus von der Statistik her
gesehen minimal. Außerdem ist die bikulturelle zumeist für beide
Partner die zweite Chance. Da sieht man vieles nicht mehr so eng wie
bei der ersten Ehe, d.h. im Idealfall hat man aus seinen Fehlern
gelernt.
Was erhoffen sich Männer
eigentlich von Asiatinnen? Und inwieweit ist diese Erwartungshaltung
realistisch?
Es gibt vollkommen unterschiedliche Erwartungen. Von einem Freund habe
ich gehört, dass er Sex, Sex und nochmals Sex erwartet. Scheinbar
ging diese Wunsch auch in Erfüllung. Inzwischen ist er fünf Jahre
mit der Dame verheiratet und die beiden erscheinen wirklich glücklich
miteinander. Generell gilt, dass Asiatinnen weitaus mehr
familienorientiert sind als deutsche Frauen. Kinder stehen auf dem
Wunschzettel ganz oben, noch vor Arbeit, Auto und Haus.
Asiatinnen sind im Allgemeinen
sehr fleißig, und Chinesinnen wird ein ausgesprochen finanzielles
Geschick nachgesagt.
Hinzu kommt noch die Schönheit
und langanhaltende schlanke Figur. Zudem sind die Damen sehr reinlich
und die Wasserrechnung wird sich bei einer asiatischen Frau sichtbar
in die Höhe schrauben.
Meine Frau wird fast generell
für 10 bis 15 Jahre jünger geschätzt. Wenn man allerdings eine
zeitlang mit Asiatinnen gelebt hat, kann man das Alter, wie bei uns,
auch ziemlich genau einschätzen.
Umgekehrt fragen wir uns
natürlich, ob es für eine Asiatin nicht schrecklich sein muss,
10.000km von daheim ein neues Leben zu beginnen...
Nein das ist nicht schrecklich, niemand zwingt sie dazu und wenn sie
sich nicht freiwillig dazu entschließt kann sie immer noch nach Hause
gehen. Heimweh in unserem Sinne ist dort unbekannt, die Menschen sind
längere Trennungsphasen gewohnt. Diese sind Bestandteil des ganz
normalen Lebenslaufs. Die Mentalität kann nicht mit unserer
verglichen werden.
Was würden Sie aus Ihrer
Erfahrung heraus sagen: Welcher Weg ist am besten geeignet, um sich an
den "Heiratsmarkt" in asiatischen Ländern heranzutasten?
Es gibt zwei wichtige Wege, das ist zum einen die AGENTUR die einen
ziemlich guten Service bieten sollte. Leere Versprechungen sind nichts
und billige Vermittlungen sind auch nichts. Fragen Sie nach
Referenzen.
Der zweite Weg ist das
Internet, es gibt Internet Sites zur internationalen
Partnervermittlung. Zwar sind 80% der Angebote Schrott, aber wenn es
gelingt die 20% Richtigen auszuwählen hat man sicher eine gute Chance
eine geeignete Partnerin zu finden.
Ohne Hilfe von Profis
geht es nicht, oder?
Profis sind dann wichtig, wenn man keine Auslandserfahrung hat. Am
besten sind dabei Familienbeziehungen. Viele Asiatinnen, die hier
glücklich geworden sind, versuchen, die Kusinen und Schwestern
ebenfalls mit einem deutschen Mann bekannt zu machen. Wenn man sich
die Familie ansehen kann, dann ist das ein wichtiges Argument für die
Partnerwahl. Zumal die Familienbindung in den asiatischen Ländern
sehr viel stärker ist als bei uns.
Vor Frauen, die
"ausgestoßen" sind, würde ich nur warnen.
Profis erkennen sofort um wen
es sich handelt. Sie sollten den Kunden vor größeren finanziellen
Verlusten schützen.
Was halten Sie von
Online-Portalen mit Kontaktanzeigen?
Das ist der Weg, der heute generell wächst. Agenturen verlieren
zunehmend and Bedeutung.
Wie bereits weiter oben
dargelegt, muss man sich etwas einarbeiten. Wer sich Hals über Kopf
verliebt, kann ganz schön reinfallen. Es gibt kein Korrektiv.
Bisher haben wir uns nur
über Männer unerhalten, die sich gerne in eine Asiatin verlieben
würden Gibt's umgekehrt auch Frauen aus Deutschland, die gezielt nach
asiatischen Männern sehnen? Und wie kann ihnen bei ihrem Anliegen
geholfen werden?
Ja, es gibt durchaus eine ganze, ich würde sagen wachsende Anzahl von
Frauen, die sich um asiatische Männer bemühen. Auch hier gilt es die
wichtigen Erfahrungen und Weichenstellungen zu erlernen. Asiaten sind
anders, sie haben eine andere Mentalität, aber sich sind genauso
liebenswert und gut wie alle Menschen aus der Region.
Sie selbst haben alles
richtig gemacht: Sie sind seit über 20 Jahren mit einer Philippinin
verheiratet! Wie verlief denn bei Ihnen das Kennenlernen und die
ersten Monate der Beziehung?
Alles richtig gemacht ist schlichtweg falsch. Ich habe Fehler gemacht,
Vieles falsch eingeschätzt und mich ein paar Mal über den Tisch
ziehen lassen. Ich denke aber, dass ich aus meinen Fehlern gelernt
habe und dass die inneren Rezeptoren jetzt Alarm schlagen, wenn mal
wieder etwas aus dem Ruder laufen sollte.
Die ersten Monate würde ich in
drei Phase einteilen:
"Liebe"
- "Kampf" - "erschöpfte Ruhe"
Wer das überlebt, kann
eigentlich nur noch glücklich werden.
Herr Dr. Siewert, wir danken
Ihnen herzlich für das Gespräch!
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