| 1. Erotische Affäre gab es überwiegend
außerhalb der Ehe
Die Ehe galt lange Jahre als soziale Institution, in der
Frau und Mann zusammenleben, wirtschaften und Kinder aufziehen. Von
erotischem Vergnügen konnte in der Ehe früherer Zeiten oft überhaupt
nicht die Rede sein. Die damalige Gesellschaftsordnung, das "Strenge
Patriarchat" machte es nur dem Mann möglich, eine erotische
Affäre außerhalb der Ehe zu suchen: Je nach seiner Macht und seinen
Geldmitteln kamen dafür zunächst gewöhnliche Frauen, wie Sklavinnen,
Dienstmägde oder die Töchter der Leibeigenen in Frage, dann aber auch in
der Liebe besonders befähigte Frauen wie Bademägde, gewöhnliche
"freie Weiber" (im heutigen Sprachgebrauch wären es Huren) und
Kurtisanen. Besonders den Kurtisanen wurde die Fähigkeit zugesprochen, Männer
durch ihre gesamte erotische Persönlichkeit zu fesseln - es handelte sich
also nicht nur um reine sexuelle Dienstleistungen.
2. Erotische Affäre aus reiner Lust an Erotik und
Sex
Heute nimmt man an, dass die sexuelle Lust in der Ehe
nach drei, maximal sieben Jahren erheblich nachlässt. Zwar können
Ehepaare dafür sorgen, die körperliche Lust aufeinander wieder
aufzufrischen, doch bieten Seitensprünge
und eine erotische Affäre in der Regel die größeren Sensationen. Der
Alltag bietet nicht nur zahllose Gelegenheiten zum Flirt, auch die
Hemmschwelle zur Liebesnacht außerhalb der Ehe ist deutlich geringer
geworden - nicht nur bei verheirateten Männern, sondern auch sehr
deutlich bei gebundenen Frauen.
Als einen der wichtigsten Gründe und stärkstes Motiv für
eine erotische Affäre nennen Psychologen immer wieder den Wunsch nach
erregendem Sex: Frauen wie auch Männer nannten in einer kürzlich veröffentlichten
Seitensprung-Umfrage "sexuelle Defizite in der eigenen
Partnerschaft" als Tor zum Seitensprung. Insgesamt gaben 76
Prozent der befragten Männer und sogar 84 Prozent der Frauen an, aus
sexueller Unzufriedenheit den Seitensprung gewagt zu haben.
Seit Frauen und Männer tatsächlich in Theorie und
Praxis gleiche Rechte genießen, machen Frauen mehr und mehr Gebrauch
davon, den ersten Schritt in Richtung "Fremdgehen"
und damit zum Seitensprung zu tun. Heute wird gerne angenommen, dass
Frauen damit einen inneren Auftrag der Evolution verfolgen, nämlich
Sperma von möglichst vielen erfolgreichen Männern aufzunehmen, um damit
Kinder mit unterschiedlichen, aber positiven Eigenschaften zu gebären.
Erstaunlicherweise geben Menschen ihre erotische Affäre
heute der Forschung gegenüber freimütig zu. Zwar hatte auch der berühmte
amerikanische Sexualforscher Alfred
Kinsey schon festgestellt, dass 50 Prozent der von ihm befragten Männer
und für damalige Verhältnisse beachtliche 26 Prozent der Frauen schon
einmal außereheliche sexuelle Begegnungen hatten, jedoch wurden seine
Studien später oft angezweifelt.
Heute wird davon ausgegangen, dass bis zu 80 Prozent der
verheirateten Westeuropäer schon einmal außerehelichen Sex hatten. Die
"Ausreißer nach unten" werden auf die unterschiedlichen
Befragungstechniken zurückgeführt. Berücksichtigt man nun noch, dass
bei Männern teils auch Bordellbesuche als "Seitensprünge"
gewertet wurden, so erscheint der vergleichsweise geringe Anteil untreuer
Ehefrauen in einem anderen Licht.
3. Frauen werden bei erotischer Affäre aktiver
Tatsache ist, dass Frauen seit den 1970er Jahren immer
selbstbewusster werden und damit auch über ihre eigene Lust bestimmen
wollen. Empfinden sie also beim Ehemann keine ausreichende sexuelle Erfüllung
mehr, so versuchen sie, diese bei einem anderen Mann zu finden. Da viele
Frauen die Gesetze des Flirts und der Annäherung sehr genau kennen, müssen
sie "in freier Wildbahn", also Bars, Büros und dergleichen, nur
bestimmte Signale aussenden, um Männer anzulocken. Seit den 1990er Jahren
kann man aber auch bereits beobachten, dass vereinzelte Frauen sich selber
auf die Suche nach einem Sexkontakt
begeben, den "ersten Schritt" selber tun und von sich aus Männer
ansprechen, um sie erotisch zu verlocken und die Männer
dann zu verführen
In allerjüngster Zeit, also höchstens seit 2005, wird
beobachtet, dass einzelne Frauen Männer direkt darauf ansprechen, eine
erotische Affäre mit ihnen einzugehen - vom
One-Night-Stand über Seitensprünge
bis hin zur sorgfältig eingefädelten längeren Affäre. Diese
Beobachtung setzt sich im Internet fort, in dem Frauen ganz gezielt nach Männern
suchen, von denen sie sich erotische Sensationen und Abwechslung erhoffen.
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