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Paarforschung (Teil 2):
Wichtige Partnerwahl - Modelle

Teil 1: Partnerschaft-Forschung als Basis für die Partnervermittlung
Teil 3: Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die seriöse Partnervermittlung-Praxis
»  Das gesamte Dossier "Partnervermittlung"
Die Partnerwahl-Modelle, auf denen moderne Partnervermittlungen beruhen, können auf eine relativ lange Tradition zurückblicken und wurden in der wissenschaftlichen Gemeinschaft intensiv diskutiert, überprüft und weiterentwickelt. 
In Abhängigkeit von seinem Schöpfer und dessen Vorerfahrungen bzw. Schwerpunkten haben die verschiedenen Partnerwahl-Modelle eine gewisse Prägung erhalten, wie Sie sehen werden. Dadurch unterscheiden sich die Modelle in Anzahl und Art der inkludierten Persönlichkeitsdimensionen sowie den Prognosen bzgl. der Partnerwahl.
Beginnen wir mit dem Vater der modernen Paarforschung, dem Schweizer Psychologen C. G. Jung:
jung partnerwahlPersönlichkeitstypen und Partnerwahl 
nach Carl Gustav Jung

Die Persönlichkeitstypen nach Jung entspringen nicht etwa einer wissenschaftlichen Recherche, sondern den Erfahrungswerten, die Jung im Laufe vieler Jahre als Eheberater gewonnen hatte. Ihm ging es primär darum, eine Sprache zu finden, um Ehepartnern ihre grundlegenden Konflikte und Missverständnisse vor Augen führen zu können.

Schon im Jahre 1921 stellte er das Hauptwerk "Psychologische Typen" vor, mit dem er die weitere Forschung rund um Partnerwahl und Beziehungsstabilität wesentlich prägte.

Die Typologie nach Jung sagt aus, dass Menschen aufgrund ihrer Veranlagung unterschiedlich wahrnehmen und reagieren. Er differenziert die drei Dimensionen
- Denken versus Fühlen
- Empfinden (auf 5 Sinne vertrauen) versus Intuition
- Extraversion (in der sichtbaren Welt leben) versus Introversion (in der Innenwelt leben)

Daraus ergeben sich dann durch Kombination aller Ausprägungen 8 Persönlichkeitstypen:

kreis

Gegensätze ziehen sich bei der Partnerwahl an

Was passiert nun, wenn Typ A den Typ B heiratet? Jung hat hier grundsätzlich herausgefunden,
dass 70% aller Ehen "Kontrast-Ehen" sind. Gegensätze scheinen sich also bei der Partnerwahl anzuziehen und sind aus Sicht der Evolution auch sinnvoll, weil die Ergänzung in der Partnerschaft in Krisenzeiten symbiotisch wirkt (z.B. bessere Überlebensentscheidungen, wenn einer auf die Intuition hört und der andere auf die Sinne).

In ruhigen Zeiten führen Unterschiede aber häufig zu Missverständnissen, Sich-nicht-verstanden-Fühlen und somit zu Konflikten und "Ehekrieg", wie er schreibt.

Jung mag zwar ein genialer Vordenker gewesen sein, seine Aussagen zur Partnerwahl beruhen aber einfach auf seinen ganz eigenen Erfahrungswerten.
Der wesentliche Fortschritt in der Thematik der Persönlichkeitstypen,  Partnerschaftszufriedenheit und Partnerwahl begann damit, dass Ende der 60er Jahre die US-Psychologen Katharine Briggs und Isabel Myers (Mutter & Tochter) den MBTI entwickelten:
MBTI - Myers-Briggs Type Indicator

Der MBTI ist eine Kategorisierung von Persönlichkeiten anhand von 4 Dimensionen. Gegenüber Jung wurde die Dimension "Judging vs. Perceiving" aufgenommen, im Deutschen gerne als "Vorausplanend vs. Spontan" übersetzt. Damit ergeben sich folgende 16 Persönlichkeitstypen nach Briggs/Myers:

mbti partnerwahl Bedeutungen:

i/e: Introversion vs. Extraversion
N/S: Intuition vs. Sense(=sinneswahrnehmend)
f/F: Feeling vs. Thinking
j/p: Judging(=planend) vs. Perceiving(=spontan)  

Während Jung einfach nur analytisch vorging, ist der MBTI das Ergebnis ausgiebiger empirischer Untersuchungen. Der MBTI ist als Produkt erhältlich, samt Fragebögen und Auswertungstools. 

Er soll Menschen ganz allgemein dabei helfen, sich selbst richtiger einzuschätzen und zu verstehen, so dass sie einen Beruf oder auch einen Lebenspartner wählen, der ihrer Persönlichkeit am besten entspricht.

Der große Vorwurf gegen den MBTI ist der, dass er zwar empirisch verifiziert wurde, aber immer noch auf die intuitiven Ideen von Jung zur Partnerwahl zurückgeht. So ist immer noch fraglich, ob man sich überhaupt um die "richtigen" Persönlichkeitsmerkmale bei der Partnerwahl kümmert.
Die Wissenschaft einigte sich schließlich Mitte der 80er-Jahre mehr oder weniger darauf, dass man mit 5 Persönlichkeitsmerkmalen eigentlich ganz gut hinkommt. Über diverse Kulturen, Erhebungsmethoden und Sprachen hinweg konnte gezeigt werden, dass das sogenannte "Big5" oder "Fünf-Faktoren"-Modell bei der Partnerwahl ganz gut brauchbar ist: 
Big5-/Fünf-Faktoren-Modell als Basis für die Partnerwahl

Das Big5-Modell geht in seinem Ursprung auf Allport & Odbert zurück, die es schon 1936 der Öffentlichkeit präsentierten. In der aktuellen Fassung sind jedem der fünf Faktoren "Extraversion" - "Verträglichkeit" - "Gewissenhaftigkeit" - "Neurotizismus" - "Offenheit für Erfahrungen" jeweils beschreibende Adjektiv-Wolken für die eine bzw. andere extreme Ausprägung zugeordnet:

big5 partnerwahl

Das Spannende am Big5-Modell ist, dass die empirische Paarforschung sich intensiv darauf gestürzt hat zu ermitteln, wie die Persönlichkeitsmerkmale mit dem Glück in Partnerschaften korrelieren.

Dabei konnten folgende zentrale Zusammenhänge zur Partnerwahl ermittelt werden:

- Beziehungsglück entsteht grundsätzlich dann, wenn sich in einer Beziehung keiner ungerecht
   behandelt bzw. übergangen fühlt. Ist es anders, leidet übrigens auch der Profiteur
   (z.B. der Durchsetzungsstarke), und zwar aus Angst, verlassen zu werden.

- Beziehungsglück hängt signifikant von der eigenen Persönlichkeit ab: 
  Völlig unabhängig von der Partnerwahl sind freundliche und nicht-neurotische Typen zufriedener
  mit ihren Beziehungen.

- Es gibt insgesamt gesehen keine Tendenz dafür, dass sich Partner mit gegensätzlichen
  Persönlichkeitsmerkmalen bei der Partnerwahl anziehen.

- EST-Männer (extrovertiert/sinneswahrnehmend/denkend) heiraten besonders gerne
   INF-Frauen (introveritiert/intuitiv/fühlend).

- Die beste Partnerwahl für Männer generell sind ENF-Frauen (extrovertiert/intuitiv/fühlend).

Dieses sind die wichtigsten Strömungen der Partnerwahl - Theorie. Wer sehr interessiert ist, der kann sich noch mit folgenden Ansätzen auseinandersetzen:
»  Partnerwahl Theorie: Sozionisches Dual
Hier wird "Beziehung" als "System zweier Menschen" gesehen, die erst aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit zu einer perfekten Symbiose zusammenwachsen. Blöd nur, dass nach Jung gerade die Unterschiedlichkeit enormes Konfliktpotenzial birgt...
»  Partnerwahl Theorie: AMOR - Advanced Matching Of Relationship
Dieser Ansatz der Partnerwahl wurde 2006 mit Hilfe betriebswirtschaftlicher Scorecards (wie bei der Einschätzung von Kreditrisiken) entwickelt. Durch umfangreiche Datenanalysen wurden die entscheidenden 12 Fragen ermittelt, die bei der Partnerwahl über "Zusammenpassen oder nicht" entscheiden.
»  Partnerwahltheorie: Lebenssäulen
Das von dem iranischen Arzt Dr. Nossrat Peseschkian entdeckte Prinzip der Lebenssäulen eignet sich dazu, die aktuelle Lebenssituation zu durchleuchten. Die Lebenssäulen behandeln die Bereiche „Sinn/Kultur, Arbeit/Leistung, Körper/Gesundheit, Freunde/Kontakt“ und sollten idealerweise ausgeglichen sein, um ein harmonisches Leben führen zu können.
- EdelPaar.de benutzt dieses Prinzip für die Partnersuche.
Wie diese theoretischen Persönlichkeitstypen- und Partnerwahl-Modelle in die Praxis der Partnervermittlung einfließen und in den Online-Persönlichkeitstests wiederzufinden sind, lesen Sie im dritten Teil.

Lesen Sie neben diesem Artikel "Partnerwahl - Modelle" auch:
»  Teil 1: Partnerschaft-Forschung als Basis für die Internet-Partnervermittlung
»  Teil 3: Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die seriöse Partnervermittlung-Praxis
»  Geballtes Wissen: DOSSIER PARTNERVERMITTLUNG
»  Unsere Einleitung zur Partnersuche im Web
 

Hat Ihnen dieser Artikel zur Partnerwahl weitergeholfen? Haben Sie Fragen oder Anregungen zur Partnerwahl? Dann schreiben Sie uns: kritik@singleboersen-vergleich.de

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