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Im 20. Jahrhundert erlebte die Heiratsanzeige sowohl Blüten wie auch Abstürze – denn das Bürgertum war spätestens nach dem Ersten Weltkrieg (1917) nicht mehr das, was es zuvor war: man spielet sich selbst, imitierte den Adel, ohne wirklich mit ihm gleichziehen zu können und verlor vor allem durch die Inflationen nach dem ersten und Zweiten Weltkrieg erheblich an Geld.
Die Heiratsanzeige stirbt aus
Der Glanz und die Gloria des Bürgertums erstarrte immer mehr in Ritualen, die insbesondere der Jugend nicht mehr geheuer waren, sodass es ab Mitte der 1960er Jahre erhebliche Proteste gegen diese beherrschende Lebensform gab – und mit dem Verlust der Macht des Bürgertums, den Historiker auf die Mitte des 20. Jahrhunderts legen, verstarb auch die Heiratsanzeige.
Der Niedergang der Heiratsanzeige hatte viele Ursachen. Eine lag in der Tatsache, dass man nicht mehr ausdrücklich „zwecks Heirat“ suchte, sondern um eine passende Partnerin oder einen passenden Partner auswählen zu können. Zwar war das Ziel nach wie vor das Zusammenleben, aber man wollte eben keine kurzfristig anberaumten Verlobungen mehr, die dann nach spätestens einem Jahr in die Ehe münden mussten.
Zudem tummelten sich in den "Heiratsanzeigen-Spalten" immer mehr obskure
Heiratsvermittler, die mit ihren Heiratsanzeigen das Blaue vom Himmel herunter versprachen. Ein Teil der angeblich privaten
Heiratsanzeigen von Singles
auf Partnersuche, insbesondere solche von sehnsüchtigen jungen Mädchen und seriösen älteren Herrn, waren alles andere als privat, sie waren oft nicht einmal eine Heiratsanzeige für tatsächlich existierende Personen, sondern wurden von Schriftstellern im Auftrag der Vermittler erdichtet.
Dies führte zu so vielen Komplikationen, dass manche Zeitungen diese
Heiratsanzeigen mit geheimen Codes, wie zum Beispiel abweichenden Chiffrenummern kennzeichneten. Die Fotos erhielten dann Zusätze wie „Bild typenähnlich“, weil man Bilder von Fotomodellen verwendete. Einige Inserenten behalfen sich noch mit dem Zusatz „Eigenanzeige“ – aber irgendwann hatte der Spuk dann ein Ende.
Die Bekanntschaftsanzeige löste die Heiratsanzeige ab – und so ist es bis heute geblieben.
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