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Vom 18. Jahrhundert bis zum WWW:
Kontaktanzeigen und Partnergesuche im Wandel der Geschichte

Die Kontaktanzeige hat eine aufregende Geschichte hinter sich gebracht: Von den ersten prüden Partnergesuchen via Heiratsannoncen über die Chiffre-Anzeigen in der Zeitung bis hin zur modernen Online-Version.
In diesem 15 Kapitel starken Abschnitt haben wir die Meilensteine der Kontaktanzeige für Sie aufgearbeitet.
Setzen Sie sich in unsere literarische Zeitmaschine und seien Sie hautnah mit dabei, wie sich die deutsche Gesellschaft im Laufe der letzten Jahrhunderte kontrovers mit dem Thema "Kontaktanzeige" und "Partnergesuche" auseinandersetzte, wofür die Abkürzungen in der guten alten Print-Zeit stammten und was es mit der erotischen Kontaktanzeige und deren Akzeptanz auf sich hat:

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Geschichte der Kontaktanzeige - Teil 1:
Partnergesuche per Anzeige und die gesellschaftliche Akzeptanz

Es ist schon erstaunlich, wie sich die Deutschen mit der Akzeptanz der Partnergesuche mittels Anzeigen in jeder Epoche schwer taten. Ob Partnergesuche, Heiratsgesuche und Bekanntschaftsanzeigen in Zeitungen oder die heutigen Kontaktanzeigen in Singlebörsen, allen Anzeigen-Formen gemeinsam ist, dass sie einen schweren Stand in der gesellschaftlichen Akzeptanz hatten, bevor sie ihren Erfolgszug begannen.

Warum die Bürger Heiratsgesuche via Anzeigen in der Zeitung verachteten

Das Bürgertum trug in der Zeit seines Bestehens stets den Anspruch vor sich her, moralisch besonders streng und urteilssicher zu sein. Wer diese Moral allerdings genauer unter die Lupe nimmt, weiß, dass dies nur gelang, indem man eine undurchdringliche Fassade um das herum aufbaute, was in der Familie vorging, während es dahinter alle erdenklichen Lüste und deren Verwirrungen gab, die man sich nur vorstellen konnte.

Damit die Fassade hielt, musste man auch nur die leisesten Tendenzen vermeiden, das private Leben an die Öffentlichkeit zu bringen – der Satz „darüber spricht man nicht“ erstickte jeden Anflug der Kommunikation mit anderen und über Partnergesuche insbesondere.

Heiratsgesuche oder Partnergesuche mittels einer Anzeige in der Zeitung war nun allerdings genau das Gegenteil – man musste eine Hand in die Öffentlichkeit hinausstrecken, um einen Ring daran zu bekommen – und sofort entbrannte eine heftige Diskussion darüber, ob es denn „schicklich“ sei, via Heiratsgesuch in einer Anzeige einen Ehepartner zu finden.

Sehr schnell machten sich Meinungen über Heiratsgesuche und Partnergesuche mittels Anzeigen breit, die etwa so beschrieben werden können:

  • „Bei ihr oder ihm kann ja nicht alles in Ordnung sein, sonst würde er doch Bekannte um die Vermittlung bitten“.
  • „Es ist unsittlich, sich der Öffentlichkeit preiszugeben und es führt zu nichts Gutem“.
  • „Das Schicksal oder die Vorsehung hat bereits einen Partner ausgewählt oder jemanden zur Ehelosigkeit bestimmt. Es ist frevelhaft, hier einzugreifen“.

Nach einiger Zeit sah man Partnergesuche, die den Passus enthielten „Ich suche auf dem heute nicht mehr ganz ungewöhnlichem Wege …“, der als Rechtfertigung nach außen gelten sollte – und doch nicht übertünchen konnte, dass die bürgerliche Gesellschaft diese Inserenten verachtete.

Man nannte die Damen und Herren, die sich so trafen, „Anzeigenbekanntschaften“ und bedeutete ihnen, wie sehr man sie verachtete. Viele Paare, die sich dennoch so kennengelernt hatte, verschleierten deshalb die Geschichte ihres Kennenlernens und verlegten sie auf eine Veranstaltung, an der man "zufällig gemeinsam teilgenommen habe". Noch bis in die 1990-er Jahre galt, dass man besser niemals sagte, dass man sich auf ein Partnergesuch via Bekanntschaftsanzeige, den Nachfolger der Heiratsanzeige, kennengelernt hatte.

Hier ein Auszug aus der NZZ:

heiratsannonce beisipielPartnerschaftsinserate passen nicht in die Biografie. Sich selbst zugeben müssen, dass man sich einsam fühle, sei schon schlimm genug - dass es die anderen noch schwarz auf weiß mitbekommen, nein danke! Dies auch, weil man durch die Partnerschaftssuche nicht zuletzt dem Druck von Berufskollegen, Freunden und Elternhaus nachgegeben habe. Gepaarte haben Prestige. Aber nicht, wenn die anderen erzählen: Ach weißt du, die haben sich per Inserat kennengelernt.

 

Partnergesuche via Online Dating - 7.000.000 sind dabei, nur ich nicht...

Dem Online Dating ging es kurz nach der "Geburt" nicht anders als den Heiratsgesuchen und Partnergesuchen in den Zeitungen. Zuerst wurde in der Öffentlichkeit kolportiert, dass im Internet nur IT-Studenten auf Partnersuche sind oder Männer auf Suche nach einem außerehelichen Abenteuer.

Dann kam die Phase in der die Medien sich auf das Online Dating stürzten und damit natürlich die Aufmerksamkeit der Singles auf Partnersuche auf das neue Kontakt-Medium lenkten. Die Singlebörsen und Partnervermittlungen erlebten einen regelrechten Run auf ihre Flirt-Angebote. Wenn man allerdings im Bekanntenkreis fragte, ob jemand auch Online Dating und einen Partnergesuch geschaltet hat, so kannte derjenige immer nur einen, der jemand kennt, der angeblich online auf Partnersuche ist...

Mittlerweile ist die Partnersuche im Internet gesellschaftlich akzeptiert. Über 7.000.000 Singles nutzen die Angebote zur Online-Partnersuche und geben es sogar gerne zu, denn Online-Dating ist mittlerweile hip und trendy. Auf Partys ist es kein Tabu mehr zu zugeben, dass man im Web flirtet und ein Partnergesuch in einer Singlebörse online gestellt hat. Im Gegenteil, man berichtet amüsiert über die letzten Dates, die man gerade gehabt hat.
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Lesen Sie hier die weitere Geschichte der Kontaktanzeige:

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