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Da fragt man sich doch: Wie war Das mit dem Kennenlernen
eigentlich vor dem Internetzeitalter? Wie konnte man einen Partner
kennenlernen?
2. Einen Partner kennenlernen, aber bitte erst
nach Vertrag
Gehen wir 5000 oder mehr Jahre zurück und sehen wir uns die
vormosaische Zeit an, dann bemerken wir, dass der heiratswillige Mann vor allem
Geld brauchte, um seinen Wunsch nach einer Ehefrau zu erfüllen: Er musste die
Rechte an der Frau von ihrem Vater kaufen.
Ein Frau
kennenlernen wurde nicht als
nötig erachtet. Diese Situation blieb lange Zeit gleich: Sobald der Vertrag der
Ehe geschlossen wurde und die Ehe körperlich vollzogen war, war sie gültig. Das
„Ja-Wort“ war bis in die bürgerliche Epoche unserer Zeit lediglich die
Besiegelung des Vertrags in der Öffentlichkeit, weil formal das Einverständnis
der Braut erforderlich war, während sie in Wahrheit kaum jemals ein
Mitspracherecht hatte, geschweige denn ihren Ehemann vorher kennenlernen konnte
Allerdings brachte die bürgerliche Epoche in ihrer Blütezeit
Ende des 19. Jahrhunderts einen Wandel: Die Tochter im Haus, die auf dem Lande
nützlich und wertvoll gewesen war, war im bürgerlichen, städtischen Haus völlig
überflüssig. Daher versuchte der Vater, sie so schnell wie möglich „an den Mann
zu bringen“. Das ging kaum ohne Geld – der Ehemann durfte zu diesem Zeitpunkt
eine ahnsehnliche Mitgift erwarten, die in der Regel so hoch war, dass der
Unterhalt der Frau bis ans Lebensende des Paares gesichert war. Man achtet als
Vater also darauf, dass die Tochter dem Ehemann niemals zur Last fallen würde.
Welche Partner für Ehen infrage kamen, wurde innerhalb des
Freundeskreises der Eltern oder unter den Geschäftspartner der Väter
ausgehandelt. Zwar gab es auch Feste, auf denen man potentielle Partner kennenlernen konnte, doch dienten auch sie
überwiegend dazu, die von den Eltern beabsichtigten Verbindungen in die Wege zu
leiten – es war eben einfacher eine Tochter zu verheiraten, die mit dem in
Aussicht genommenen Ehemann halbwegs einverstanden war – eine „Tochterempörung“
wollte man sich nicht leisten, weil sie rufschädlich war.
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts bestand also keine
Notwendigkeit den neuen Partner vor der Ehe wirklich kennenzulernen. Die
romantischen und spontanen Begegnungen jener Jahre und die daraus überlieferten
Liebesgeschichten fallen fast alle unter den Begriff des erotischen Abenteuers.
Vielfach war mindestens einer der Beteiligten nicht wirklich frei, und wenn
beide frei waren, so musste der Liebhaber die in Aussicht genommene Ehefrau oft
erst entführen, um den Schwiegervater in spe „weichzuklopfen“.
3. Frauen beginnen Männer selber kennenzulernen
Das alles änderte sich namhaft erst gegen 1917, und zwar
durch mehrere Umstände: Der verlorene Krieg und die Inflation sorgten dafür,
dass die Vermögen keine Rolle mehr spielten – die Tochter wurde deshalb mit
Sachwerten, der sogenannten „Aussteuer“ bedacht. Zudem strebten nun plötzlich
auch Bürgertöchter die Berufswelt an, die ihnen vorher weitgehend verschlossen
war. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte man davon ausgehen, dass
die junge Frau, die nunmehr endlich aus dem „Tochtersein“ befreit war, ihre
Berufstätigkeit als äquivalent für die Aussteuer einsetzte, sodass der
„väterliche Segen“ entbehrlich wurde und die Frauen sich wagten auf eigene
Faust ihren neuen Partner kennenzulernen.
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